Vorbemerkung (Januar 2004): Dieser Artikel erschien in ROTE KEHLE Nr. 5 vom 14. Dezember 1976 anläßlich der Wahlen zum Studentenparlament der Uni Trier. Die ROTE KEHLE war die Zeitschrift der SUSI, der Sozialistischen Unabhängigen (bzw. Undogmatischen) Studenten-Initiative, die im weitesten Sinne dem Sponti-Spektrum zuzurechnen war. Der KSB (Kommunistischer Studentenbund) war die Hochschulorganisation des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland), eine längst verblichene maoistische Politsekte, deren Aktivisten dann großenteils  bei den Grünen gelandet sind. Die Kürzel SS und FB stehen für Sommersemester bzw. Fachbereich.
 
 

Basisgruppen: U-Boote des KSB?

Die in den verschiedenen Fachbereichen kandidierenden Basisgruppen (BG) - nicht zu verwechseln mit den Basisgruppen in den Vereinigten Deutschen Studentenschaften - sind auf Initiative des KSB entstanden und von diesem als unabhängige Gruppen konzipiert, in denen der KSB als Fraktion arbeitet. Mit diesem auch bundesweit praktizierten Konzept unternimmt er den Versuch, unabhängige Studenten für seine Politik einzuspannen.

Dies geschieht zunächst so, daß bei Gründung dieser Gruppen ein Forderungskatalog zur Abstimmung gestellt wird, der weitgehend Forderungen beinhaltet, die vom KSB entwickelt wurden und in einer KBW-Broschüre festgehalten sind, dabei aber nur einen Teil der von KBW und KSB offiziell formulierten Politik darstellen, womit auch nicht dem KSB nahestehende Studenten diese Forderungen vertreten können sollen. Mitglied kann aber in der BG nur der werden, der sich auf diesen als Plattform angenommenen Forderungskatalog verpflichtet, sodaß eine Politik der Offenheit gegenüber allen, die gegen die Verschlechterung unserer Lebens- und Studiensituation sind, nicht mehr gewährleistet ist. Die Bezeichnung "Basis"-Gruppen ist also schon aus diesem Grund fehl am Platz.

Die Aufstellung dieser Forderungen ist ja nicht etwa das Ergebnis einer Diskussion an der studentischen Basis, sondern wird am Anfang der Diskussion zumindest den Studenten außerhalb der BG als fertiges Ergebnis vor den Kopf geknallt. Hier wird also das Pferd vom Schwanz her aufgezäumt: Eine Entwicklung von Forderungen aufgrund der Verarbeitung praktischer Erfahrungen findet nicht statt. Wir werden vor eine schematische und undialektische Alternative gestellt: entweder wir finden die Forderungen "richtig" oder "falsch".

Da das Problem praktischer Veränderungsschritte und politischer Zusammenhänge aus der Plattform ausgeklammert wird, ist dem KSB damit die formale Möglichkeit gegeben, alle Maßnahmen, die seiner Linie nicht entsprechen, durch sein Veto abzublocken, unter Berufung auf die damit angeblich verletzte Minimalplattform.

So sind die BG für den KSB ein Versuchsobjekt, rigide seine Politik unter Ausnutzung Unabhängiger durchzusetzen. Wo dies nicht gelingt, schreckt der KSB nicht davor zurück, Mitglieder der BG zu diffamieren. So geschehen im SS 76 in der BG FB II, als die KSBler überstimmt wurden und dann die den Beschluß ausführenden BGler als Lügner (wörtlich) beschimpft haben. Einige BGler haben aus diesem Vorgehen des KSB bereits die Konsequenz des Austritts gezogen.

Wer den BG die Stimme geben will, sollte sich genau ansehen, wer auf den BG-Listen kandidiert: Die Spitzenkandidaten sind jeweils KSBler!

Nach den Wahlen müssen wir die Arbeit der tatsächlich unabhängigen BG-Leute beobachten, inwieweit sie von der KSB-Bervormundung unabhängig handeln.

Klaus Blees
 
 
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