Vorbemerkung (August 2006): Folgender Leserbrief erschien in der Tageszeitung Trierischer Volksfreund vom 23.8.06. Er bezieht sich auf einen dort veröffentlichten dpa-Artikel von Carsten Hoffmann zur Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah.
 
David gegen Goliath
Zum Artikel "Mit Schrammen in die Waffenruhe" (TV vom 14. August):
Bei Betrachtung der in Resolution 1701 des Weltsicherheitsrats formulierten Vorgaben für eine Waffenruhe ist leider den Skeptikern zuzustimmen. Mindestvoraussetzung für einen verlässlichen Waffenstillstand wäre eine vorherige vollständige Entwaffnung der Hisbollah gewesen, die seit
Jahren Krieg gegen Israel führt mit dem erklärten Ziel, den Judenstaat zu vernichten, und bisher noch jedes Zugeständnis als Erfolg und Ermutigung ihrer terroristischen Aktivitäten aufgefasst hat. Diese Entwaffnung ist erst für die Zukunft vorgesehen.

Wer noch alle Tassen im Schrank hat, wird jedoch kaum glauben, dass die Hisbollah ihre Waffen freiwillig abgibt. Entsprechenden Druck auf die Hisbollah ausgerechnet von den Strippenziehern des Terrors im Iran und in Syrien zu erwarten, wäre gleichermaßen illusorisch. Die Verantwortung dafür
der libanesischen Armee zu übertragen, macht den Bock zum Gärtner, denn die Hisbollah ist durch drei Minister in der libanesischen Regierung vertreten, und deren Ministerpräsident Siniora macht keinen Hehl aus seiner hisbollah-freundlichen und israel-feindlichen Haltung.

Die Erledigung dieser Aufgabe durch UN-Truppen würde einen gegen die Hisbollah gerichteten Kampfauftrag mit entspechender Stärke und Ausrüstung voraussetzen und nichts anderes als die Fortsetzung der Maßnahmen bedeuten, welche die israelische Armee begonnen hat. Doch diese Maßnahmen sind ja durch die Resolution gestoppt worden, die, indem sie Israels Recht auf
Selbstverteidigung einschränkt, den israelischen Teilerfolgen in der Tat den Beigeschmack eines Pyrrhussieges verleiht.

Die Zustimmung der USA zu dieser Resolution zeigt, dass sie keineswegs der zuverlässige Verbündete Israels sind, als der sie gemeinhin gelten. Israel sieht sich, weitgehend isoliert, einer Übermacht antisemitischer, mehr oder weniger aggressiver Regime gegenüber, deren Speerspitzen die palästinensischen Terrororganisationen und die Hisbollah sind. Mit der aufstrebenden Atommacht Iran im Zentrum droht sich etwas zusammenzubrauen, das die Gefahr eines zweiten Holocaust als sehr real erscheinen lässt. Damit es nicht dazu kommt, braucht der David Israel Solidarität im Kampf gegen den antisemitischen Goliath.

Klaus Blees
 
 
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