PARTNERS IN ARMS
Die An-Najah-National University Nablus ist eine friedliebende Institution - so erzählen es die Repräsentanten der Trierer Universität immer wieder. Die im palästinensischen Selbstverwaltungsgebiet im Westjordanland liegende Universität ist seit 1997 mit der Trierer Universität in einer akademischen Partnerschaft verbunden. Offizielle Vertreter wie der Präsident und die Vizepräsidenten der Universität Trier weilten seitdem regelmäßig in Nablus, ebenso wie palästinensische Partnerdelegationen in Trier. Dem Austausch von Studenten dient ein Stipendienprogramm.
Die Geschichte der Partnerschaften der Universitäten hat der in Trier ansässige Palästinenser Hazem Shehada in einem kleinen Büchlein zusammengefaßt. Seine Schilderung des Zustandekommens der Partnerschaft ist im Stil einer altmodischen politikgeschichtlichen Abhandlung abgefaßt und behandelt die einzelnen Aktivitäten, mit denen die Partnerschaft auf den Weg gebracht wurde, in extenso. Hier nur soviel: Die Partnerschaft geht zurück auf das hochulpolitische Engagement ganz unterschiedlicher Personen und ist tatsächlich zunächst von unten - nämlich von Trierer Studenten und Studentinnen - angeregt worden. Erst im Laufe der Jahre hat sich die Universitätsverwaltung den Fürsprechern und Betreibern dieser Partnerschaft angeschlossen. Am 25. Oktober 1997 gipfelte der langjährige Kontakt in der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens in Nablus. Für Trier unterschrieb der damalige Vizepräsident und heutige Präsident der Universität, Prof. Dr. Schwenkmezger.
Getrübtes
Image
Das positive Image dieser Partnerschaft,
mit dem sich die Universität Trier schmückt und das Shehada in
seiner Broschüre zu vermitteln versucht, bekommt allerdings schon
bei aufmerksamer Lektüre dieser Schrift dunkle Flecken. Shehadas Bericht
ist durchsetzt mit einer Vielzahl von Hinweisen auf massive Einschränkungen
und Repressionen, denen die Angehörigen der An-Najah-Universität
und anderer palästinensischer Universitäten durch Israel ausgesetzt
waren und sind, von Reisebeschränkungen über Universitätsschließungen
bis hin zu zahlreichen Verhaftungen. Dabei steht außer Frage, wer
der Sündenbock ist. Daß die israelischen Maßnahmen Reaktionen
auf antizionistische Aktivitäten einer dann doch nicht so friedliebenden
Studentenschaft sind, mochte Shehada zwar nicht schreiben, kommt um die
Erwähnung der (ersten) Intifada allerdings nicht herum, deren antisemitischen
Charakter er in seiner von offensichtlicher Sympathie geprägten Darstellung
unterschlägt. Ein in der Broschüre geschilderter Vorfall vom
Juli 1992 macht deutlich, worum es geht: Die israelische Armee wollte in
der Universität Nablus "6 palästinensische Intifada-Aktivisten"
verhaften. "4.000 palästinensische Studierende" solidarisierten sich
mit ihnen. Nach viertägiger Belagerung der Universität durch
die israelische Armee wurden die sechs schließlich nach Jordanien
ausgewiesen. Das Studendentenparlament der Universität Trier entblödete
sich damals nicht, in einer Resolution seine "Solidarität mit den
palästinensischen Kommilitonen/innen aus Nablus zu betonen".
Ein "Highlight" der Boschüre ist der Bericht über Prof. Schwenkmezgers Besuch in Nablus 1997 anläßlich der Unterzeichnung des Abkommens. Auf Schwenkmezgers Frage, "warum zwischenzeitlich etwa 80 Prozent der weiblichen Studierenden den Schador tragen würden", wurde ihm bedeutet, dies sei "Ausdruck eines gesteigerten palästinensischen Nationalbewußtseins", "quasi als Absetzung vom israelischen und westlichen Lebensstil zu verstehen. Traditionell gebe es in der palästinensischen Gesellschaft eher emanzipatorische Bestrebungen von Seiten der Frauen." Deutlicher läßt sich der reaktionäre Charakter der palästinensischen Nationalbewegung kaum zum Ausdruck bringen. Merkwürdige "emanzipatorische Bestrebungen" sind das, die sich in der Unterwerfung unter das prägnanteste Zeichen islamischer Frauenunterdrückung, den Schleier, äußern.
Hohe Schule des Terrors
Sucht man nach Informationen, die in der Broschüre und in den
Verlautbarungen der Trierer Universität fehlen, wird man noch ganz
anders fündig. Die Universitäten in den palästinensischen
Autonomiegebieten sind Tummelplätze radikaler Islamisten. Nicht zufällig
taucht in der Selbstbeschreibung in Trier ansässiger palästinensischer
Austauschstudenten der An-Najah-Universität das Motiv des Kampfes
auf. Mögen sie den Kampf politisch meinen - die An-Najah-Universität
bringt auch eine Art von Kämpfern hervor, über die man in Trier
wenig hört: Selbstmordattentäter und -attentäterinnen mit
dem Willen, Juden zu töten. Allein zwischen 2000 und 2002 waren es
sieben:
o Hashem Najar - verübte ein Selbstmordattentat auf ein Restaurant in Mekhola am 22. Dezember 2000. War Student der Medien- und Kommunikationsfakultät.
Die Studenten der Trierer Partneruniversität wählen wie die Trierer Studenten einen Rat, der für die studentische Selbstverwaltung zuständig ist, den Student Council, der damit dem AStA einer deutschen Uni vergleichbar ist. Bei den Wahlen haben sich in den vergangenen Jahren die Sympathisanten der Selbstmordbomber durchgesetzt. Im Studentenparlament, dem General Council, verfügt die der Hamas und dem Islamischen Djihad nahestehende Muslim-Palestine-Party über die Mehrheit. Der von der Hamas kontrollierte Student Council betreibt eine systematische Propaganda für den bewaffneten Kampf gegen Israel. Auch die übrigen in den Verwaltungsremien vertretenen Gruppen stehen terroristischen Organisationen nahe: Die Shuhada (= Märtyrer) Party den Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden; die kleinere Al-Quds-Party der PFLP. Manchmal bekommt dann auch der Begriff “Wahlkampf” eine besondere Bedeutung! So lieferten sich im Vorfeld der Wahlen 2004 zum Student Council Hamas- und Fatah-Studenten eine Schießerei: acht Verletzte.
Die Organisationen der Studenten predigen nicht nur den bewaffneten Kampf, aus ihnen rekrutieren sich die Al Aqsa-Märtyrerbrigaden, die Hamas und der Islamischen Djihad. Nicht nur die eigentlichen Selbstmordattentäter, auch die Hintermänner, die die Attentäter mit Sprengstoffen und Bombengürtel ausstatte(te)n, gehör(t)en der Universität an:
o Keis Adwan - ehemaliger Präsident des Student Council. Er führte den militärischen Arm der Hamas in Nord-Samaria. Er war der "Ingenieur", der Selbstmordbomber vorbreitete und sie mit Bombengürteln ausstattete. Er ist der Hauptverantwortliche für mehrere Selbstmordattentate in Jerusalem, Haifa, Nahariya.
Im September 2001 hatte es bereits
eine bluttriefende Ausstellung über verschiedene Selbstmordanschläge
gegeben. Der Eingangsbereich der Ausstellung erinnerte an den Anschlag
auf das Sbarro-Restaurant in Jerusalem. Die von der Hamas "kuratierte"
Ausstellung präsentierte ein Modell des Restaurants nach dem Bombenanschlag,
das mit Dummies ausgestattet war, welche die Körper der Ermordeten
symbolisierten; auch abgerissene Glieder hatte man nicht vergessen.
All das geschieht keineswegs unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Über diese Sympathiebekundungen für den Terror berichten die palästinensischen Medien ausführlich. Es handelt sich bei den genannten Ereignissen also nicht um klandestine Veranstaltungen der Studenten, sondern um breit rezipierte und respektierte Aktivitäten.
Auch auf Homepages, in Pamphleten und auf Plakaten wird, wie auch andernorts in den palästinensischen Gebieten, der Terror verherrlicht. So gab der Märtyrer-Block, eine der Fatah nahestehende Studentenorganisation, eine, wie sie selbst es sagt: "mit Blut geschriebene" Broschüre heraus, die sich ganz der Verehrung der Selbstmordbomber widmet: "Aus dem Meer des Märtyrerblutes werden wir den Staat erschaffen." Die Rückseite dieses Pamphlets ziert unter anderem auch das Zeichen der Al-Aqsa-Brigaden.
Es ist also keine Übertreibung, wenn die Hamas die An-Najah-Universität stolz als "Treibhaus für Märtyrer" bezeichnet. Keine andere palästinensische Hochschule hat mehr Selbstmordattentäter hervorgebracht als sie. Die antiisraelische Haltung der Studentenschaft wird im übrigen vom Lehrkörper geteilt. So richteten 75 Professoren und andere Bedienstete der An-Najah-Universität Mitte 2002 einen offenen Brief an verschiedene arabische Fernsehsender, in dem sie diesen die Einladung israelischer Interviewpartner vorwarfen und sie aufforderten, israelischen Standpunkten künftig keinen Raum mehr zu geben.
Wir fragen uns, wie es um ein Land, um eine "Befreiungsbewegung" und um die zukünftige politische Führung der Palästinenser bestellt ist, wenn die angehenden Eliten in einer solchen Kultur des Hasses ausgebildet werden? Wir fragen die Verantwortlichen der Universität Trier, ob sie dies alles nicht wissen oder nicht wahrhaben wollen? Angesprochen auf die genannten Fakten zur Partneruniversität Nablus, reagierte Unipräsident Schwenkmezger abwehrend. Auf eine Distanzierung vom palästinensischen Terror folgte das Bekenntnis zur Partnerschaft: “Die Universität Trier steht zu ihrer Partnerschaft, weil sie überzeugt ist, damit einen kleinen Beitrag auf dem Weg zu einem friedlichen Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern leisten zu können.” Dem diene ein Stipendienprogramm des Freundeskreises der Universität, das sich an palästinensische Studenten der An-Najah University ebenso wie an israelische der Hebrew University in Jerusalem richte.
Literatur:
- An-Najah National University
Website:
http://www.najah.edu/
- Intelligence and Terrorism Information
Center at the Center for Special Studies (C.S.S.): The martyrdom and suicide
culture in Palestinian Universities - An-Najah Universtiy in Nablus as
a case study. 2003:
http://www.intelligence.org.il/eng/bu/sib_mb/university.htm
- International Policy Institute
for Counter-Terrorism (ICT): Nablus' Al Najah University. Breeding Ground
of Suicide Bombers. 2002:
http://www.ict.org.il/articles/articledet.cfm?articleid=445
- Regular, Arnon: Hamas-Fatah gunfight
at al-Quds university in Nablus. 8 Palestinians hurt in Hamas-Fatah gunfight.
Ha'aretz 9 May 2004. Im Internet:
http://www.fromoccupiedpalestine.org/node.php?id=1240
- Shehada, Hazem: Die Partnerschaft
zwischen der An Najah-National University Nablus und der Universität
Trier. Trier 2001. Im Internet:
http://www.uni-trier.de/uni/publikationen/partnerunis/Broschure-Uni-Nablus.pdf
Klaus Blees und Johannes Platz
| Zu meiner Homepage
Zum Inhaltsverzeichnis meiner Website Zu meiner Linkliste |