Vorbemerkung (Dezember 2005): Der folgende Artikel von Johannes Platz und mir erschien in konkret Heft 8, August 2005. Es handelt sich um die leicht überarbeitete Fassung eines zuvor im KRITISCHEN TRIERER JAHRBUCH katz 2005 veröffentlichten Beitrages.
Klaus Blees


PARTNERS IN ARMS

Die An-Najah-National University Nablus ist eine friedliebende Institution - so erzählen es die Repräsentanten der Trierer Universität immer wieder. Die im palästinensischen Selbstverwaltungsgebiet im Westjordanland liegende Universität ist seit 1997 mit der Trierer Universität in einer akademischen Partnerschaft verbunden. Offizielle Vertreter wie der Präsident und die Vizepräsidenten der Universität Trier weilten seitdem regelmäßig in Nablus, ebenso wie palästinensische Partnerdelegationen in Trier. Dem Austausch von Studenten dient ein Stipendienprogramm.

Die Geschichte der Partnerschaften der Universitäten hat der in Trier ansässige Palästinenser Hazem Shehada in einem kleinen Büchlein zusammengefaßt. Seine Schilderung des Zustandekommens der Partnerschaft ist im Stil einer altmodischen politikgeschichtlichen Abhandlung abgefaßt und behandelt die einzelnen Aktivitäten, mit denen die Partnerschaft auf den Weg gebracht wurde, in extenso. Hier nur soviel: Die Partnerschaft geht zurück auf das hochulpolitische Engagement ganz unterschiedlicher Personen und ist tatsächlich zunächst von unten - nämlich von Trierer Studenten und Studentinnen - angeregt worden. Erst im Laufe der Jahre hat sich die Universitätsverwaltung den Fürsprechern und Betreibern dieser Partnerschaft angeschlossen. Am 25. Oktober 1997 gipfelte der langjährige Kontakt in der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens in Nablus. Für Trier unterschrieb der damalige Vizepräsident und heutige Präsident der Universität, Prof. Dr. Schwenkmezger.

Getrübtes Image
Das positive Image dieser Partnerschaft, mit dem sich die Universität Trier schmückt und das Shehada in seiner Broschüre zu vermitteln versucht, bekommt allerdings schon bei aufmerksamer Lektüre dieser Schrift dunkle Flecken. Shehadas Bericht ist durchsetzt mit einer Vielzahl von Hinweisen auf massive Einschränkungen und Repressionen, denen die Angehörigen der An-Najah-Universität und anderer palästinensischer Universitäten durch Israel ausgesetzt waren und sind, von Reisebeschränkungen über Universitätsschließungen bis hin zu zahlreichen Verhaftungen. Dabei steht außer Frage, wer der Sündenbock ist. Daß die israelischen Maßnahmen Reaktionen auf antizionistische Aktivitäten einer dann doch nicht so friedliebenden Studentenschaft sind, mochte Shehada zwar nicht schreiben, kommt um die Erwähnung der (ersten) Intifada allerdings nicht herum, deren antisemitischen Charakter er in seiner von offensichtlicher Sympathie geprägten Darstellung unterschlägt. Ein in der Broschüre geschilderter Vorfall vom Juli 1992 macht deutlich, worum es geht: Die israelische Armee wollte in der Universität Nablus "6 palästinensische Intifada-Aktivisten" verhaften. "4.000 palästinensische Studierende" solidarisierten sich mit ihnen. Nach viertägiger Belagerung der Universität durch die israelische Armee wurden die sechs schließlich nach Jordanien ausgewiesen. Das Studendentenparlament der Universität Trier entblödete sich damals nicht, in einer Resolution seine "Solidarität mit den palästinensischen Kommilitonen/innen aus Nablus zu betonen".

Ein "Highlight" der Boschüre ist der Bericht über Prof. Schwenkmezgers Besuch in Nablus 1997 anläßlich der Unterzeichnung des Abkommens. Auf Schwenkmezgers Frage, "warum zwischenzeitlich etwa 80 Prozent der weiblichen Studierenden den Schador tragen würden", wurde ihm bedeutet, dies sei "Ausdruck eines gesteigerten palästinensischen Nationalbewußtseins", "quasi als Absetzung vom israelischen und westlichen Lebensstil zu verstehen. Traditionell gebe es in der palästinensischen Gesellschaft eher emanzipatorische Bestrebungen von Seiten der Frauen." Deutlicher läßt sich der reaktionäre Charakter der palästinensischen Nationalbewegung kaum zum Ausdruck bringen. Merkwürdige "emanzipatorische Bestrebungen" sind das, die sich in der Unterwerfung unter das prägnanteste Zeichen islamischer Frauenunterdrückung, den Schleier, äußern.

Hohe Schule des Terrors
Sucht man nach Informationen, die in der Broschüre und in den Verlautbarungen der Trierer Universität fehlen, wird man noch ganz anders fündig. Die Universitäten in den palästinensischen Autonomiegebieten sind Tummelplätze radikaler Islamisten. Nicht zufällig taucht in der Selbstbeschreibung in Trier ansässiger palästinensischer Austauschstudenten der An-Najah-Universität das Motiv des Kampfes auf. Mögen sie den Kampf politisch meinen - die An-Najah-Universität bringt auch eine Art von Kämpfern hervor, über die man in Trier wenig hört: Selbstmordattentäter und -attentäterinnen mit dem Willen, Juden zu töten. Allein zwischen 2000 und 2002 waren es sieben:

o Hashem Najar - verübte ein Selbstmordattentat auf ein Restaurant in Mekhola am 22. Dezember 2000. War Student der Medien- und Kommunikationsfakultät.

o Hamed Abu Hijla - führte ein Selbstmordkommando mit einer Autobombe in Netanya am 1. Januar 2001 durch. Studierte Ingenieurswissenschaften.
o Jamal Nasser - führte ein Selbstmordkommando mit einer Autobombe neben einem israelischen Bus westlich von Nablus am 29. April 2001 durch. Studierte Ingenieurswissenschaften.
o Muayad Salah - führte ein Selbstmordattentat nahe Baka al-Sharkiya am 8. November 2001 aus. Studierte Ingenieurswissenschaften.
o Asam Yussuf Muhammad Reihan - nahm an dem kombinierten Bomben- und Feuerwaffenattentat nahe Emanuel am 12. Dezember 2001 teil. Obwohl er selbst keinen Bombengürtel trug, ehrte die Hamas die Aktion als "Märtyrermission", er erhielt dieselbe Anerkennung wie ein Selbstmordbomber. Studierte Wirtschaftswissenschaften.
o Darin Abu Aisha - Sie kam von der An-Najah-Universität und war eine Hamas-Aktivistin. Wollte zuerst eine Selbstmordbomberin der Hamas werden. Als daraus nichts wurde, verübte sie schließlich ein Selbstmordattentat für die Fatah, am Makabim-Checkpoint, am 27. Februar 2002.
o Muhamad Alrul - gehörte der Fakultät für islamisches Recht an und führte ein Selbstmordattentat auf einen Bus in Jerusalem am 18. Juni 2002 aus.

Die Studenten der Trierer Partneruniversität wählen wie die Trierer Studenten einen Rat, der für die studentische Selbstverwaltung zuständig ist, den Student Council, der damit dem AStA einer deutschen Uni vergleichbar ist. Bei den Wahlen haben sich in den vergangenen Jahren die Sympathisanten der Selbstmordbomber durchgesetzt. Im Studentenparlament, dem General Council, verfügt die der Hamas und dem Islamischen Djihad nahestehende Muslim-Palestine-Party über die Mehrheit. Der von der Hamas kontrollierte Student Council betreibt eine systematische Propaganda für den bewaffneten Kampf gegen Israel. Auch die übrigen in den Verwaltungsremien vertretenen Gruppen stehen terroristischen Organisationen nahe: Die Shuhada (= Märtyrer) Party den Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden; die kleinere Al-Quds-Party der PFLP. Manchmal bekommt dann auch der Begriff “Wahlkampf” eine besondere Bedeutung! So lieferten sich im Vorfeld der Wahlen 2004 zum Student Council Hamas- und Fatah-Studenten eine Schießerei: acht Verletzte.

Die Organisationen der Studenten predigen nicht nur den bewaffneten Kampf, aus ihnen rekrutieren sich die Al Aqsa-Märtyrerbrigaden, die Hamas und der Islamischen Djihad. Nicht nur die eigentlichen Selbstmordattentäter, auch die Hintermänner, die die Attentäter mit Sprengstoffen und Bombengürtel ausstatte(te)n, gehör(t)en der Universität an:

o Keis Adwan - ehemaliger Präsident des Student Council. Er führte den militärischen Arm der Hamas in Nord-Samaria. Er war der "Ingenieur", der Selbstmordbomber vorbreitete und sie mit Bombengürteln ausstattete. Er ist der Hauptverantwortliche für mehrere Selbstmordattentate in Jerusalem, Haifa, Nahariya.

o Ali Hadairy - Mitglied der Hamas in Nablus und Tulkarem. Er besuchte die Fakultät für Ingenieurswissenschaften.
o Taher Jarara - folgte Mahmud Abu-Hanud als Führer des militärischen Arms der Hamas, nachdem Abu-Hanud von israelischen Sicherheitskräften getötet worden war.
o Yusuf Surkaji - gehörte der Führungsebene der Hamas in Nablus an. Er war an der Ausführung mehrerer Selbstmordattentate in Israel zwischen 1997 und 2002 beteiligt. Er erwarb seinen Master an der An-Najah-Universität.
o Karim Nimr Mafaraja - war leitendes Mitglied des Student Council und führte den militärischen Arm der Hamas Al-Kassam Martyrs Brigaden an. Er gehörte zum militärischen Arm der Hamas in Nablus und war verantwortlich für eine große Zahl terroristischer Attacken, Selbstmordattentate eingeschlossen. Israelische Sicherheitskräfte töteten ihn am 22. Januar 2002. Er hatte an der Fakultät für islamisches Recht studiert.
o Jassar Samaro - war verantwortlich für die illegale Produktion von Sprengstoffen, wie sie bei Selbstmordattentaten verwendet wurden, und gehörte ebenfalls der Fakultät für islamisches Recht an.
 
Blutrünstige Inszenierungen
Regelmäßig veranstaltet der Student Council Kundgebungen auf dem Universitätscampus, bei denen für die Intifada mobilisiert wird. Einen festen Platz hat dabei die Propaganda für die als Shahiden
(= Märtyrer) betrachteten Attentäterinnen und Attentäter. Der Kult um die Selbstmordbomber erreichte in den vergangenen Jahren grausige Höhepunkte. So am 27. Mai 2002, als studentische Aktivisten den verheerenden Bombenanschlag vom 12. Oktober 2001 auf einen israelischen Bus mit einem großen Busmodell reinszenierten und die Mörder als Helden feierten.


Im September 2001 hatte es bereits eine bluttriefende Ausstellung über verschiedene Selbstmordanschläge gegeben. Der Eingangsbereich der Ausstellung erinnerte an den Anschlag auf das Sbarro-Restaurant in Jerusalem. Die von der Hamas "kuratierte" Ausstellung präsentierte ein Modell des Restaurants nach dem Bombenanschlag, das mit Dummies ausgestattet war, welche die Körper der Ermordeten symbolisierten; auch abgerissene Glieder hatte man nicht vergessen.

All das geschieht keineswegs unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Über diese Sympathiebekundungen für den Terror berichten die palästinensischen Medien ausführlich. Es handelt sich bei den genannten Ereignissen also nicht um klandestine Veranstaltungen der Studenten, sondern um breit rezipierte und respektierte Aktivitäten.

Auch auf Homepages, in Pamphleten und auf Plakaten wird, wie auch andernorts in den palästinensischen Gebieten, der Terror verherrlicht. So gab der Märtyrer-Block, eine der Fatah nahestehende Studentenorganisation, eine, wie sie selbst es sagt: "mit Blut geschriebene" Broschüre heraus, die sich ganz der Verehrung der Selbstmordbomber widmet: "Aus dem Meer des Märtyrerblutes werden wir den Staat erschaffen." Die Rückseite dieses Pamphlets ziert unter anderem auch das Zeichen der Al-Aqsa-Brigaden.

Es ist also keine Übertreibung, wenn die Hamas die An-Najah-Universität stolz als "Treibhaus für Märtyrer" bezeichnet. Keine andere palästinensische Hochschule hat mehr Selbstmordattentäter hervorgebracht als sie. Die antiisraelische Haltung der Studentenschaft wird im übrigen vom Lehrkörper geteilt. So richteten 75 Professoren und andere Bedienstete der An-Najah-Universität Mitte 2002 einen offenen Brief an verschiedene arabische Fernsehsender, in dem sie diesen die Einladung israelischer Interviewpartner vorwarfen und sie aufforderten, israelischen Standpunkten künftig keinen Raum mehr zu geben.

Wir fragen uns, wie es um ein Land, um eine "Befreiungsbewegung" und um die zukünftige politische Führung der Palästinenser bestellt ist, wenn die angehenden Eliten in einer solchen Kultur des Hasses ausgebildet werden? Wir fragen die Verantwortlichen der Universität Trier, ob sie dies alles nicht wissen oder nicht wahrhaben wollen? Angesprochen auf die genannten Fakten zur Partneruniversität Nablus, reagierte Unipräsident Schwenkmezger abwehrend. Auf eine Distanzierung vom palästinensischen Terror folgte das Bekenntnis zur Partnerschaft: “Die Universität Trier steht zu ihrer Partnerschaft, weil sie überzeugt ist, damit einen kleinen Beitrag auf dem Weg zu einem friedlichen Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern leisten zu können.” Dem diene ein Stipendienprogramm des Freundeskreises der Universität, das sich an palästinensische Studenten der An-Najah University ebenso wie an israelische der Hebrew University in Jerusalem richte.

Literatur:
- An-Najah National University Website: http://www.najah.edu/
- Intelligence and Terrorism Information Center at the Center for Special Studies (C.S.S.): The martyrdom and suicide culture in Palestinian Universities - An-Najah Universtiy in Nablus as a case study. 2003:
http://www.intelligence.org.il/eng/bu/sib_mb/university.htm
- International Policy Institute for Counter-Terrorism (ICT): Nablus' Al Najah University. Breeding Ground of Suicide Bombers. 2002:
http://www.ict.org.il/articles/articledet.cfm?articleid=445
- Regular, Arnon: Hamas-Fatah gunfight at al-Quds university in Nablus. 8 Palestinians hurt in Hamas-Fatah gunfight. Ha'aretz 9 May 2004. Im Internet:
http://www.fromoccupiedpalestine.org/node.php?id=1240
- Shehada, Hazem: Die Partnerschaft zwischen der An Najah-National University Nablus und der Universität Trier. Trier 2001. Im Internet:
http://www.uni-trier.de/uni/publikationen/partnerunis/Broschure-Uni-Nablus.pdf

Klaus Blees und Johannes Platz
 
 
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