Vorbemerkung (August 2005): Dieser Leserbrief erschien in der Wochenendausgabe der Tageszeitung "Trierischer Volksfreund" vom 27./28.8.05. Damian Schwickerath, auf dessen Kommentar ich mich beziehe, ist stellvertretender Chefredakteur der Zeitung.
 
 

Brutale Konsequenzen
Zum Kommentar "Nur ein erster Schritt" (TV vom 13./14. August):

Wie Damian Schwickerath richtig feststellt, ist Skepsis angesichts der Räumung Gazas durch Israel angebracht. Denn palästinensische Terrororganisationen haben bereits angekündigt, ihre Mordaktionen trotzdem fortzuführen. Israel hat den Rückzug ohne Vorleistungen und Garantien durch die palästinensische Seite eingeleitet. Wenn die Autonomiebehörde schon im Vorfeld dieses weit reichenden Zugeständnisses nicht in der Lage oder nicht willens war, Anschläge zu verhindern, was ist dann erst zu erwarten, wenn sie die Gebiete vollständig unter ihrer Kontrolle hat? Es klingt jedoch wie eine Eins-zu-eins-Übernahme palästinensischer Propaganda, wenn Herr Schwickerath Israels Schutzmaßnahmen gegen den antisemitischen Terror zur "täglichen Willkür bei Militäreinsätzen, Abriegelungen oder Kontrollen" umdefiniert.

Ohne im Gegenzug wenigstens einigermaßen sichere Aussicht auf Frieden zu erhalten, werden Menschen gezwungen, ihre Heimat aufzugeben. Da ihnen nicht einmal alternativ die Möglichkeit eingeräumt wird, in einem künftigen palästinensischen Staat als jüdische Minderheit mit vollen Bürgerrechten zu leben, bedeutet das im Klartext, dieser Staat soll "judenrein" sein. Aber Arafats Nachfolger Abbas ist ja nicht weniger antisemitisch als dieser, auch wenn er dem von der PLO nie aufgegebene Ziel, die Juden aus dem Nahen Osten zu vertreiben, jetzt mit diplomatischen Mitteln näher zu kommen versucht.

Warum gilt der "Weg zum eigenen, unabhängigen Staat" Herrn Schwickerath als positiv angesichts der Perspektive, dass dies unter den heutigen Vorzeichen die Etablierung eines weiteren autokratischen arabischen Regimes bedeuten würde, mit brutalen Konsequenzen für die eigene Bevölkerung?

Wie "die Radikalinskis in Schach zu halten (...) und ihre Organisationen aufzulösen" sind, hat der Konfliktforscher Francisco Gil-White von der Universität Pennsylvania / USA auf den Punkt gebracht: "Die Palästinenser brauchen eine Revolution. Aber nicht gegen Israel. Israel ist nicht ihr Problem. Ihr Problem (...) ist, wie sie die Faschisten loswerden, die als ihre Führer gelten. Wenn sie das hinkriegen, werden sie fähig sein, mit anderen in der Region zusammenzuarbeiten, um den Nahen Osten in einen lebenswerten Ort zu verwandeln."

Klaus Blees
 
 
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