Vorbemerkung (September 2001): Diesen Leserbrief habe ich am 19. August per e-mail an die Tageszeitung junge Welt (jW) geschickt. Er wurde dort nicht veröffentlicht. Der Beitrag, auf den ich mich beziehe, erschien in der jW-Wochenendbeilage "faulheit & arbeit" und ist über den Link in der ersten Zeile abrufbar.
 
 

Schauplatz Deutschland

Zu jW vom 18./19.August: "Napalm und Schalom"

   Markiert Nowaks Rezension den Beginn einer Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus von links auch in der jW? Keimt eine neue Bereitschaft auf, die eigene antizionistisch ausgerichtete Nahostberichterstattung selbstkritisch zu beleuchten?

   Leider schränken schon einige Bemerkungen Nowaks diese Hoffnung ein. Wenn die "gruppe demontage" an einem sehr konkreten, von ihm selbst geschilderten Beispiel Antisemitismus in der Kurdistan-Solidarität diagnostiziert, weist er dies als Spekulation, als Unterstellung zurück und fährt die obligatorischen Pappkameraden auf, die "jede Kritik an Israel und dem
Zionismus als Antisemitismus" brandmarken. "Man darf ja gegen Juden heute nichts sagen", heißt das weiter rechts im politischen Spektrum. Dazu paßt seine auf linke Solidarität mit Israel bezogene Begriffsverwirrung, denn ganz offensichtlich kennt er nicht den Unterschied zwischen "kritiklos" und "bedingungslos".

   Der Nahe Osten gilt Nowak als Nebenkriegsschauplatz, als ob die Entstehung und Existenz Israels nichts mit dem deutschen Vernichtungsprojekt zu tun hätte! Und wenn Juden durch den Terror völkischer und islamistischer Araber bedroht sind, bedeutet ihm dagegen gerichtete Solidarität, "die Nazis nach Bagdad oder Ramallah zu exportieren". Ein deutscher Schauplatz ist der Nahe Osten jedenfalls nicht zuletzt da, wo deutsche antizionistische Linke - zumindest propagandistisch - mitmengen.

Klaus Blees

Nachbemerkung (Februar 2002): Leider mußte ich inzwischen feststellen, daß ein Teil des antideutschen Spektrums, und zwar genau die von Nowak in seinem Artikel genannte Redaktion der Zeitschrift BAHAMAS, tatsächlich jede - zumindest öffentliche - Kritik an Israel ablehnt. Da habe ich dem Autor also Unrecht getan.
 
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