Vorbemerkung (September 2003): Untenstehende Schilderung eines der peinlichsten und unrühmlichsten Vorfälle in der Geschichte der Universität Trier erschien in der Trierer Studentenzeitung StuPa-Magazin Nr. 1, Januar 1977. Der Artikel stammt nicht von mir, hat aber einen biographischen Bezug, da ich an der beschriebenen Verhinderungsaktion beteiligt war. Wer ihn geschrieben hat, weiß ich nicht, da er im Heft nicht namentlich unterzeichnet ist. Falls jemand urheberrechtliche Einwände gegen die Wiederveröffentlichung auf meiner Website hat, bitte ich um Mitteilung.
Herausgegeben wurde das schon lange nicht mehr existierende StuPa-Magazin vom Präsidium des Studentenparlaments der Universität Trier, das in der damals erst im Aufbau befindlichen Verfaßten Studentenschaft an der Trierer Uni quasi als AStA-Ersatz fungierte. Das rhodesische Rassistenregime, gegen das wir seinerzeit protestierten, gibt es längst nicht mehr, Rhodesien heißt jetzt Zimbabwe. Wie wenig das manchen behagt, zeigt sich an den immer wieder angeheizten Kampagnen gegen Zimbabwes Regierung.
Klaus Blees

 Eibl unterläuft UN-Beschlüsse

Der Rhodesien-Konflikt findet auch in Trier statt: der Direktor des Linguistischen Seminars der Universität von Rhodesien in Salisbury war offiziell vom Fachbereich II der Uni zu einem Gastvortrag eingeladen worden. Doch zum angekündigten Termin konnte die Gastvorlesung wegen massiver studentischer Proteste nicht stattfinden.

Tage zuvor hatte das Studentenparlament in seltener Einmütigkeit einen Antrag verabschiedet, in dem es u. a. hieß: "Diese Gastvorlesung stellt eine propagandistische Aufwertung des rhodesischen Rassistenregimes dar, die den UN-Sanktionsbeschlüssen gegen Rhodesien krass widerspricht, und sie ist ein Schlag gegen den Befreiungskampf des Volkes von Zimbabwe." Und in der Tat widerspricht diese Einladung an den Institutsdirektor der Rhodesia University eindeutig den einschlägigen Beschlüssen der UNO gegen das illegale Smith-Regime in Salisbury, die die Bundesregierung auch als verbindlich für die BRD erklärt hat (siehe Veröffentlichung im Bundesanzeiger), und an die sich dementsprechend auch alle öffentlich-rechtlichen Institutionen zu halten haben. So heißt es in der UN-Sicherheitsresolution 217 von 1965 unter Punkt 6: "Der Sicherheitsrat ...  fordert alle Staaten auf, diese unrechtmäßige Regierung (Smith) nicht anzuerkennen und keine diplomatischen oder sonstigen Beziehungen mit dieser unrechtmäßigen Regierung zu unterhalten." Unter Punkt 8 der gleichen Resolution heißt es: "Der Sicherheitsrat fordert alle Staaten auf, alle Handlungen zu unterlassen, die das unrechtmäßige Regime unterstützen oder es ermutigen könnten..."

Die Einladung an Mr. Annan stellt eine direkte Kontaktaufnahme einer öffentlich-rechtlichen Institution, wie sie die Universität (bzw. deren Teilbereiche) darstellen, mit einer Institution dar, die dem illegalen Smith-Regime direkt untersteht.

Das StuPa-Präsidium hat sowohl den Fachbereichsdekan, Prof. Eibl, als auch den Uni-Präsidenten Morkel aufgefordert,  die Gastvorlesung abzusetzen. Man bezeichnete die ganze Sache zwar als "Panne" und "Dummheit", doch Konsequenzen wollte man nicht ziehen. Obwohl es nur eine sehr kurze Mobilisierungszeit gab, waren zum Termin der Gastvorlesung ca. 50 Studenten erschienen, die gegen diesen Sanktionsbruch demonstrierten, verglichen mit etwa 20 Studenten, die gekommen waren, um Mr. Annans Vortrag zu hören. Die übergroße Mehrheit der Studenten wollte jetzt über die politische Situation in Zimbabwe diskutieren, doch die Professoren Eibl, Koester und Annan wollten sich darauf nicht einlassen und stattdessen ihren Vortrag durchziehen, wobei sie schließlich scheinbar resignierten, aber nur um eilig und listig in die Kühlwein-Vorlesung umzuziehen, um da den Vortrag abspulen zu können. Doch dies wurde rechtzeitig von den Studenten bemerkt und auch jetzt kamen die Herren Professoren nicht zum Zug.

Während des ganzen Vorgangs war von den Professoren Eibl, Koester und Kühlwein kein einziges Wort der Kritik am weißen Minderheitsregime in Rhodesien zu hören, das 6 Mill. Afrikaner wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert, wirtschaftlich ausbeutet und ihnen die grundlegenden Menschenrechte vorenthält, und das zudem militärische Aggressionen gegen seine Nachbarstaaten begeht. Anscheinend sind diese Professoren politisch zu naiv, um aus ihrem literatur- und sprachwissenschaftlichen Elfenbeinturm hervorzukriechen und / oder zu konservativ bis reaktionär, um sich deutlich zu Grundprinzipien der Demokratie und der Menschenrechte in diesem Teil der Welt zu bekennen. Dies hätte sicherlich sehr zur Entspannung der Situation beigetragen - doch im Gegenteil - sie machten den Bock zum Gärtner und stempelten das Verhalten der Studenten als "undemokratisch" ab. Prof. Eibl versprach zwar, im Fachbereichsrat Rede und Antwort zu den Vorgängen um die Einladung an den rhodesischen Professor zu stehen, doch Pustekuchen - der FBR hat es auf seiner Sitzung am letzten Mittwoch abgelehnt, die Sache überhaupt auf die Tagesordnung zu setzen und zu diskutieren.

(Verfasser unbekannt)
 
 
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