Vorbemerkung (Mai 2001): In Trier tummeln sich nicht nur Spezialisten für Geschichte der alten Römer, auch der Experte für Raumfahrt des Altertums ist schon hier gewesen. Im vorigen Jahrtausend, Anno 1995, hielt er einen Vortrag in der Trierer Europahalle, worüber ich in dem Trierer Stadtmagazin katz Nr.5, Mai 1995, wie folgt berichtete:
 

RAUMFAHRT IM ALTERTUM

Die bemerkenswerten Erkenntnisse des Erich von Däniken
Die Mutmaßungen und Behauptungen des UFO-Archäologen Erich von Däniken dürften den meisten Lesern in groben Zügen
bekannt sein. Nach seiner Auffassung zeugen die durch archäologische Funde belegten erstaunlichen naturwissenschaftlichen und technischen Fähigkeiten alter Kulturen ebenso wie eine Reihe religiöser Überlieferungen und Riten in aller Welt von Kontakten, die Menschen schon vor Jahrtausenden mit Außerirdischen hatten. Diese Thesen versuchte er auch in seinem Film- und Dia-Vortrag in der Europahalle am 13. April zu begründen.

Damals wandten Menschen Kenntnisse an, die es eigentlich noch längst nicht geben konnte, weil sie erst in unserer Zeit erworben wurden, beispielsweise genaue Berechnungen der Bahnen selbst der Planeten, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind - vorausgesetzt, von Dänikens Quellen stimmen. Von Däniken versteht es geschickt, mit solchen und ähnlichen Geschichten ein Publikum zu verblüffen, das - wie ich - in der Regel aus historischen und archäologischen Laien besteht und dabei sogar wissenschaftlich anerkannte Tatbestände als Sensationen zu verkaufen, um dann seine Interpretationen draufzusetzen, nachdem
er sie suggestiv nahegelegt hat. Wo Menschen "Unmögliches" zustandegebracht haben, können die Anleitungen dazu nur von außen gekommen sein, und meistens von ganz außen, von außerhalb der Erde. Die Haltung kultureller Überheblichkeit vieler von ihm so vehement kritisierter Wissenschaftler teilt er offenbar mit diesen, eine Haltung, aus der heraus die Menschen früherer Zivilisationen als zu blöd gelten, um aus eigenem Antrieb, aus eigener Kreativität Fertigkeiten zu entwickeln, die "moderne"  Errungenschaften oft genug als bloße Wiederentdeckungen von historisch Verschüttetem erscheinen lassen. Allerdings verstieg
er sich in der anschließenden Aussprache dennoch zu der Spekulation, die Außerirdischen könnten selbst die Nachfahren von Erdenmenschen gewesen sein, die über eine entwickelte Raumfahrttechnologie verfügten und sich auf der Flucht vor einer irdischen Katastrophe ins Weltall verzogen.

Einen Großteil seiner "Beweise" konstruiert von Däniken, indem er die Bildersprache von Mythen und Riten wörtlich nimmt und dabei natürlich auf Göttergestalten trifft, die in seltsamem Outfit mit feuerspeienden Fluggeräten durch die Gegend schwirrten. Was sonst, als Astronauten in ihren Raumanzügen, mit ihren UFOs, mißverstanden von den Primitiven, die in ihren Überlieferungen davon berichteten? Aber schließlich gibt es auch direkte Augenzeugenberichte, nämlich die, die in der Ich-Form geschrieben sind, wie der des alttestamentarischen Cyberspace-Propheten Hesekiel. Karl May läßt grüßen! Doch Spaß beiseite. Daß es bei Berichten von wirklich Erlebtem auch um Visionen, um Erlebnisse halluzinatorischer Natur gehen kann, läßt von Däniken in diesem Zusammenhang nicht gelten, behauptete in der Diskussion ernsthaft, bei Halluzinationen höre man ja
nichts, und schließlich hat Hesekiel nicht nur was gesehn, sondern von seinem kosmischen Führer auch was erzählt bekommen, ist von diesem sogar mit Leib und Seele durch die Lüfte transportiert worden. Daß von Dänikens Auffassungen hinsichtlich
des umfassenden Erlebnisspektrums veränderter Bewußtseinszustände von keinerlei Sachkenntnis getrübt sind, ist verwunderlich bei jemandem, dessen Spezialgebiet ohne solche Kenntnisse kaum angemessen zu beurteilen ist. Aber es hilft sicher dabei, Zweifel an einem vorgefaßten Weltbild abzuschirmen.

Wie wissenschaftsgläubig von Däniken trotz seiner meist pauschalen Polemik gegen Wissenschaftler selbst ist, wenn's ihm in den Kram paßt, zeigt sich mir besonders deutlich daran, wie er die größenwahnsinnigen Machbarkeitsträume der Gentechniker  für bare Münze nimmt, es für möglich hält, künstlich Lebewesen zu schaffen, die den natürlich gewordenen überlegen sind. Mythische Darstellungen von Mischwesen  interpretiert er als Bilder von durch die Außerirdischen gentechnisch erzeugten Kreaturen, und wenn Gott die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, so bedeutet dies übersetzt, daß die Menschheit mittels Genmanipulation aus ihren halbtierischen Vorfahren nach dem Vorbild der Außerirdischen entwickelt worden ist. Adam
und Eva als erstes Zuchtelternpaar der neuen Rasse!

Das dem Vortrag folgende Frage- und Antwortspiel ermöglichte es von Däniken, dem Wissensdurst des Publikums mit dogmatischen Statements zu begegnen, ohne eine kritische Diskussion darüber zuzulassen, die im Programm ohnehin nicht vor-
gesehen war. Zu ausführlichem Gespräch hatte er keine Zeit, mußte sofort im Anschluß noch mit dem Auto in seine Schweizer Heimat.

Klaus Blees

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