Die Mutmaßungen und Behauptungen des UFO-Archäologen Erich von Däniken dürften den meisten Lesern in groben ZügenDie bemerkenswerten Erkenntnisse des Erich von DänikenRAUMFAHRT IM ALTERTUM
Damals wandten Menschen Kenntnisse an, die es eigentlich noch längst
nicht geben konnte, weil sie erst in unserer Zeit erworben wurden, beispielsweise
genaue Berechnungen der Bahnen selbst der Planeten, die mit bloßem
Auge nicht sichtbar sind - vorausgesetzt, von Dänikens Quellen stimmen.
Von Däniken versteht es geschickt, mit solchen und ähnlichen
Geschichten ein Publikum zu verblüffen, das - wie ich - in der Regel
aus historischen und archäologischen Laien besteht und dabei sogar
wissenschaftlich anerkannte Tatbestände als Sensationen zu verkaufen,
um dann seine Interpretationen draufzusetzen, nachdem
er sie suggestiv nahegelegt hat. Wo Menschen "Unmögliches" zustandegebracht
haben, können die Anleitungen dazu nur von außen gekommen sein,
und meistens von ganz außen, von außerhalb der Erde. Die Haltung
kultureller Überheblichkeit vieler von ihm so vehement kritisierter
Wissenschaftler teilt er offenbar mit diesen, eine Haltung, aus der heraus
die Menschen früherer Zivilisationen als zu blöd gelten, um aus
eigenem Antrieb, aus eigener Kreativität Fertigkeiten zu entwickeln,
die "moderne" Errungenschaften oft genug als bloße Wiederentdeckungen
von historisch Verschüttetem erscheinen lassen. Allerdings verstieg
er sich in der anschließenden Aussprache dennoch zu der Spekulation,
die Außerirdischen könnten selbst die Nachfahren von Erdenmenschen
gewesen sein, die über eine entwickelte Raumfahrttechnologie verfügten
und sich auf der Flucht vor einer irdischen Katastrophe ins Weltall verzogen.
Einen Großteil seiner "Beweise" konstruiert von Däniken,
indem er die Bildersprache von Mythen und Riten wörtlich nimmt und
dabei natürlich auf Göttergestalten trifft, die in seltsamem
Outfit mit feuerspeienden Fluggeräten durch die Gegend schwirrten.
Was sonst, als Astronauten in ihren Raumanzügen, mit ihren UFOs, mißverstanden
von den Primitiven, die in ihren Überlieferungen davon berichteten?
Aber schließlich gibt es auch direkte Augenzeugenberichte, nämlich
die, die in der Ich-Form geschrieben sind, wie der des alttestamentarischen
Cyberspace-Propheten Hesekiel. Karl May läßt grüßen!
Doch Spaß beiseite. Daß es bei Berichten von wirklich Erlebtem
auch um Visionen, um Erlebnisse halluzinatorischer Natur gehen kann, läßt
von Däniken in diesem Zusammenhang nicht gelten, behauptete in der
Diskussion ernsthaft, bei Halluzinationen höre man ja
nichts, und schließlich hat Hesekiel nicht nur was gesehn, sondern
von seinem kosmischen Führer auch was erzählt bekommen, ist von
diesem sogar mit Leib und Seele durch die Lüfte transportiert worden.
Daß von Dänikens Auffassungen hinsichtlich
des umfassenden Erlebnisspektrums veränderter Bewußtseinszustände
von keinerlei Sachkenntnis getrübt sind, ist verwunderlich bei jemandem,
dessen Spezialgebiet ohne solche Kenntnisse kaum angemessen zu beurteilen
ist. Aber es hilft sicher dabei, Zweifel an einem vorgefaßten Weltbild
abzuschirmen.
Wie wissenschaftsgläubig von Däniken trotz seiner meist pauschalen
Polemik gegen Wissenschaftler selbst ist, wenn's ihm in den Kram paßt,
zeigt sich mir besonders deutlich daran, wie er die größenwahnsinnigen
Machbarkeitsträume der Gentechniker für bare Münze
nimmt, es für möglich hält, künstlich Lebewesen zu
schaffen, die den natürlich gewordenen überlegen sind. Mythische
Darstellungen von Mischwesen interpretiert er als Bilder von durch
die Außerirdischen gentechnisch erzeugten Kreaturen, und wenn Gott
die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, so bedeutet dies übersetzt,
daß die Menschheit mittels Genmanipulation aus ihren halbtierischen
Vorfahren nach dem Vorbild der Außerirdischen entwickelt worden ist.
Adam
und Eva als erstes Zuchtelternpaar der neuen Rasse!
Das dem Vortrag folgende Frage- und Antwortspiel ermöglichte es
von Däniken, dem Wissensdurst des Publikums mit dogmatischen Statements
zu begegnen, ohne eine kritische Diskussion darüber zuzulassen, die
im Programm ohnehin nicht vor-
gesehen war. Zu ausführlichem Gespräch hatte er keine Zeit,
mußte sofort im Anschluß noch mit dem Auto in seine Schweizer
Heimat.
Klaus Blees
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