Reinkarnation - oder was?
Der Reinkarnationsglaube gehörte zum Glaubenskanon aller
antiken Völker. In den Schriften von Pythagoras und Platon begegnen
wir dieser Auffassung. Heute noch herrscht der Glaube an eine Wiedergeburt
im gesamten Orient und bei verschiedenen Naturvölkern. Im frühen
Christentum war diese Vorstellung ebenfalls vertreten. Beim zweiten Konzil
von Konstantinopel, 553 n. Chr., lehnte die christliche Kirche die Lehre
von der Wiedergeburt offiziell ab. Wer ab diesem Zeitpunkt dennoch an Reinkarnation
glaubte, wurde mit dem Kirchenbann belegt.
Am 17.10.1997 hatten wir zu der Veranstaltung "Reinkarnation - oder
was?" eingeladen. ln derApril-Ausgabe hatte unser
Redakteur Klaus Blees einen Artikel geschrieben über einen Reinkarnationsvortrag
von Dr. Jan Erik Sigdell, der einer
Einladung der Akademie der Grenzwissenschaften nachgekommen war.
Dieses Thema brachte eine Diskussion in Gang, wie schon lange nicht
mehr. Ein halbes Jahr gab es die verschiedensten
Leserbriefe zu diesem Thema. Auch in der Redaktion wurde heftig gestritten.
Um dem Interesse der Leser gerecht zu werden,
erfolgte die Einladung zum Podiumsgespräch. Um das Meinungsbild
zu erweitern, wurde neben Sigdell der Sektenbeauftragte des Bistums Trier,
Neusius, eingeladen. Klaus Blees saß als Vertreter des Internationalen
Bundes der Konfessionslosen und Atheisten mit auf dem Podium. Trixy Didong
kam als Vertreterin der esoterischen Astrologie und als Reinkarnationsberaterin.
Die Moderation des Podiumsgesprächs übernahm Frau Halik.Die Resonanz
war groß, ungefähr 100 Menschen waren gekommen, um dem Gespräch
der Fachleute zu folgen.
Während des Gesprächs ging es sehr kontrovers zu. Neusius
lehnte kategorisch den Glauben an die Reinkarnation ab und
betonte sogar, daß für das Christentum dieses Thema noch
nie relevant war. Sigdell dagegen nannte christliche Literatur, die
sich mit dem Reinkarnationsglauben wissenschaftlich auseinandergesetzt
hatte. Blees lehnte die Reinkarnation ab; das Leben
beginnt für den Materialisten mit der Verschmelzung von Ei und
Samenzelle und endet mit dem Tod. Didong wiederum
betrachtete die verschiedenen Leben wie eine Schule, wo eine Klassenstufe
nach der anderen durchlaufen werden muß. Ob es
eine Reinkarnation gibt, kann nur derjenige beurteilen, der selbst
ein Rückführungserlebnis hinter sich hat. Didong verglich den
Streit über die Reinkarnation damit, als würde man einem Blinden
etwas über Farben erzählen. Nur durch Erfahrung kommt
Erkenntnis. Dafür bekam sie spontanen Beifall aus dem Publikum.
Nach der Pause hatten die Zuschauer Gelegenheit, sich zu Wort zu melden.
Als erster stand ein älterer Mann auf, der bekannt
ist wegen seiner Appelle, auf katholischen Pfaden zu bleiben. Er legte
ein klares Votum gegen die Reinkarnation ein. Die in der
Rückführung gemachten Erfahrungen seien der Phantasie oder
dem Unterbewußtsein zuzuschreiben. Genauso ordnete Neusius
auch die Aussagen von kleinen Kindern ein, die oft spontan von früheren
Leben erzählen. Didong und Sigdell kannten die kindlichen Reinkarnationsgeschichten
aus der Literatur bzw. aus eigenen Erfahrungen. Eine wichtige Frage war
noch, wozu Rückführungen in frühere Leben eigentlich gut
seien. Sigdell, der seit zwanzig Jahren Erfahrungen in der Reinkarnationstherapie
hat, führte aus, wie Phobien und Lebensängste oft nach Rückführungen
verschwunden sind. Didong legte Wert darauf, festzuhalten, daß jeder
für sein Leben die Verantwortung zu tragen habe, unabhängig ob
er an Reinkarnation
glaubt oder nicht.
Juliane Neu
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