Vorbemerkung (März 2001): Der folgende Bericht über eine Podiumsdiskussion zur Reinkarnationstherapie erschien in dem Trierer Stadtmagazin die neue katz Nr. 11, November 1997. Ich stelle ihn mit Einverständnis der Verfasserin auf meine Website. Die Formulierung, ich hätte als "Vertreter des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten" teilgenommen, ist mißverständlich, denn ich bin zwar Mitglied dieser Organisation, war jedoch nicht in deren Auftrag, sondern in eigener Sache auf dem Podium.
Klaus Blees
 

Reinkarnation - oder was?


Der Reinkarnationsglaube gehörte zum Glaubenskanon aller antiken Völker. In den Schriften von Pythagoras und Platon begegnen wir dieser Auffassung. Heute noch herrscht der Glaube an eine Wiedergeburt im gesamten Orient und bei verschiedenen Naturvölkern. Im frühen Christentum war diese Vorstellung ebenfalls vertreten. Beim zweiten Konzil von Konstantinopel, 553 n. Chr., lehnte die christliche Kirche die Lehre von der Wiedergeburt offiziell ab. Wer ab diesem Zeitpunkt dennoch an Reinkarnation glaubte, wurde mit dem Kirchenbann belegt.

Am 17.10.1997 hatten wir zu der Veranstaltung "Reinkarnation - oder was?" eingeladen. ln derApril-Ausgabe hatte unser
Redakteur Klaus Blees einen Artikel geschrieben über einen Reinkarnationsvortrag von Dr. Jan Erik Sigdell, der einer
Einladung der Akademie der Grenzwissenschaften nachgekommen war.

Dieses Thema brachte eine Diskussion in Gang, wie schon lange nicht mehr. Ein halbes Jahr gab es die verschiedensten
Leserbriefe zu diesem Thema. Auch in der Redaktion wurde heftig gestritten. Um dem Interesse der Leser gerecht zu werden,
erfolgte die Einladung zum Podiumsgespräch. Um das Meinungsbild zu erweitern, wurde neben Sigdell der Sektenbeauftragte des Bistums Trier, Neusius, eingeladen. Klaus Blees saß als Vertreter des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten mit auf dem Podium. Trixy Didong kam als Vertreterin der esoterischen Astrologie und als Reinkarnationsberaterin. Die Moderation des Podiumsgesprächs übernahm Frau Halik.Die Resonanz war groß, ungefähr 100 Menschen waren gekommen, um dem Gespräch der Fachleute zu folgen.

Während des Gesprächs ging es sehr kontrovers zu. Neusius lehnte kategorisch den Glauben an die Reinkarnation ab und
betonte sogar, daß für das Christentum dieses Thema noch nie relevant war. Sigdell dagegen nannte christliche Literatur, die
sich mit dem Reinkarnationsglauben wissenschaftlich auseinandergesetzt hatte. Blees lehnte die Reinkarnation ab; das Leben
beginnt für den Materialisten mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle und endet mit dem Tod. Didong wiederum
betrachtete die verschiedenen Leben wie eine Schule, wo eine Klassenstufe nach der anderen durchlaufen werden muß. Ob es
eine Reinkarnation gibt, kann nur derjenige beurteilen, der selbst ein Rückführungserlebnis hinter sich hat. Didong verglich den Streit über die Reinkarnation damit, als würde man einem Blinden etwas über Farben erzählen. Nur durch Erfahrung kommt
Erkenntnis. Dafür bekam sie spontanen Beifall aus dem Publikum.

Nach der Pause hatten die Zuschauer Gelegenheit, sich zu Wort zu melden. Als erster stand ein älterer Mann auf, der bekannt
ist wegen seiner Appelle, auf katholischen Pfaden zu bleiben. Er legte ein klares Votum gegen die Reinkarnation ein. Die in der
Rückführung gemachten Erfahrungen seien der Phantasie oder dem Unterbewußtsein zuzuschreiben. Genauso ordnete Neusius
auch die Aussagen von kleinen Kindern ein, die oft spontan von früheren Leben erzählen. Didong und Sigdell kannten die kindlichen Reinkarnationsgeschichten aus der Literatur bzw. aus eigenen Erfahrungen. Eine wichtige Frage war noch, wozu Rückführungen in frühere Leben eigentlich gut seien. Sigdell, der seit zwanzig Jahren Erfahrungen in der Reinkarnationstherapie hat, führte aus, wie Phobien und Lebensängste oft nach Rückführungen verschwunden sind. Didong legte Wert darauf, festzuhalten, daß jeder für sein Leben die Verantwortung zu tragen habe, unabhängig ob er an Reinkarnation
glaubt oder nicht.

Juliane Neu

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