Vorbemerkung (Januar 2005): Dies ist ein unveröffentlichter Leserbrief, den ich am 29. November 2004 an die Tageszeitung Trierischer Volksfreund geschickt hatte. Über die Veranstaltung, um die es geht, habe ich im Mitgliederbrief  2/2004 der Arbeitsgemeinschaft Trier der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ausführlicher berichtet.  Siehe meinen Beitrag  "Sekundärer und primärer Antisemitismus".


Der Schoß ist fruchtbar noch

Zum Bericht "Besetztes Land" (TV vom 18. November)

Den Veranstaltungstitel "Apartheid in Israel" als provozierend zu bezeichnen, stellt eine Verharmlosung dar, denn er erschien ganz ohne Fragezeichen und war, nach Protesten im Vorfeld, schon ein Versuch, die ursprüngliche Ankündigung "Apartheidstaat Israel" abzuschwächen. Mit
einem typischen Schlagwort des modernen Antisemitismus wurde also ein Vortrag in einer Schule des Bistums Trier beworben. Frau Raheb schränkte diese Bezeichnung zwar auf die besetzten Gebiete ein, blieb jedoch jeden Beleg schuldig. Denn "Apartheid" ist etwas anderes als mit
militärischer Besatzung verbundene Einschränkung und Benachteiligung, und sei sie noch so schikanös. Sie bedeutet eine auf der Annahme verschiedenwertiger Rassen basierende systematische Trennung, und auf eine solche Grundlage israelischer Politik angesprochen mußte Frau Raheb passen. Ausgeklammert blieb, dass die Besatzung Folge eines auf die Vernichtung Israels ausgerichteten Krieges arabischer Staaten war und Israel sie bei Strafe des Untergangs aufrechtzuerhalten gezwungen ist, so lange führende palästinensische Kräfte nicht zu einem Friedensschluß bereit sind und der antijüdische Terror anhält. Mit den historischen Fakten nahm Raheb es ohnehin nicht genau, und entsprechend der Definition Theodor W. Adornos, Antisemitismus sei das "Gerücht über die Juden", präsentierte sie, ganz zeitgemäß, Gerüchte über Israel, womit sie die Stimmung im Saal traf.

Von dem Widerspruch, den Oberstudiendirektor Müller als Gastgeber zuvor für den Fall eines polarisierenden Verlaufs noch angekündigt hatte, war nichts zu vernehmen. Als einziger Podiumsteilnehmer fand Herr Zuche zaghaft kritische Worte gegenüber Frau Raheb.

Überhaupt nicht beachtet wurde auf dem Podium der im TV-Bericht erstaunlicherweise nicht erwähnte skandalöse Höhepunkt der Veranstaltung: Als ein aus der Türkei stammender kurdischer Flüchtling den islamistischenTerror gegen Israel anprangerte, denunzierte ihn aus den Publikumsreihen ein Araber als bezahlten Agenten. Im Anschluss beschimpfte ihn der Zwischenrufer dann noch als "Scheiß Jude!" Über die Geister, die sie gerufen haben, sollten sich die Organistoren nicht wundern.

Klaus Blees
 
 
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