Vorbemerkung (August 2002): Folgender Artikel erschien im Trierer Stadtmagazin katz Nr. 10, Oktober 1994, als der Trierer Filmkneipe Lucky's Luke der Entzug der Nachtkonzession und damit der wirtschaftliche Ruin drohte. Diese Gefahr konnte damals abgewendet werden. Inzwischen hat Rheinland-Pfalz die Sperrstunde landesweit aufgehoben, wodurch Schildbürgerstreiche wie der hier dargestellte künftig weniger wahrscheinlich werden.
 
 

Klappe zu, LUKE dicht?

Korrupt, wie ich bin, schreibe ich diesen Artikel in LUCKY's LUKE, Triers FILM-KNEIPE. Die Musik ist laut, erschwert mir die Konzentration, erschwert sie mir vor allem dann, wenn sie mir, wie jetzt, gefällt. Die sie nicht gut finden, können rausgehn, denn, wie selbst Messungen des Ordnungsamtes ergeben haben - nach draußen dringt kein nennenswerter Lärm. Aber wegen Lärmbelästigung droht der LUKE der Entzug der Nachtkonzession. Wegen nächtlichen Lärms in der Luxemburger Straße und auf dem der Kneipe gegenüberliegenden Parkplatz der Stadtsparkasse fordert eine Nachbarin vom Ordnungsamt die Aufhebung der bis 4 Uhr morgens erteilten Öffnungserlaubnis. Dies in einer der - nicht nur den Autoverkehr betreffend (1) - Hauptverkehrsstraßen Triers, in der zudem zwei der am stärksten frequentierten Trierer Diskotheken angesiedelt sind und in einem Bereich, in welchem - nach Aussage eines andern Nachbarn - der Krach auch während der sommerlichen Schließungszeit der LUKE nicht merklich nachgelassen hat. (2)

Für das kleine Kino würde ein Ende der verlängerten Öffnungszeiten das Aus bedeuten, da sich das Filmprogramm nicht selbst trägt und - zumal Kinoinhaber Jockel auch öfter Außenseiterfilme zeigt, deren Aufführung die Trierer Kommerzkinos nicht als lohnend empfinden - auf die Einnahmen aus dem Nachtumsatz der Kneipe angewiesen ist. Denn die Randlage bringt es mit sich, daß sich diese erst füllt, wenn die andern Trierer Kneipen, vor allem Studentenkneipen, schließen. Pionierarbeit leistet die LUKE auch bei der Förderung unbekannter Rockbands, die hier oft ihre erste Auftrittschance erhielten, mit dieser Starthilfe dann erst - zumindest regional - bekannt wurden.

Mit dem Ende der LUKE wäre die Stadt nicht nur um einen kulturellen Anziehungspunkt ärmer, auch die nächtliche Kneipenlandschaft würde weiter verarmen, nachdem in jüngster Zeit bereits das ZAPOTEX und die Diskothek KAEM mit ähnlichen Begründungen ihre Nachtlizenzen verloren. War Trier in nicht allzuferner Vergangenheit besonders für Studenten ein unattraktives Nest, in dem nichts los war, so hatte sich dies in den letzten Jahren deutlich geändert - immer mehr Scene-Lokale entstanden und konnten sich auch behaupten, und vor allem der Ausbau des Exhauses und die Entstehung der Tuchfabrik sorgten für eine erhebliche Ausweitung des Kulturangebotes. Soll das alles nach und nach wieder abgebaut werden? Sowas würde gut in eine Situation passen, in der - wie im Falle des MARIA-SYNDROM (3) - städtische Zensurmaßnahmen salonfähig werden und zum Verbot kritischer Theaterproduktionen führen, ganz zu schweigen von der Kürzung der Finanzmittel für die Tuchfabrik und den Kulturbereich überhaupt.

Aber so neu ist die - welch liebenswürdig-schönfärberisches Wort - provinzielle Mentalität von Triers Ordnungswächtern ja nicht. Schon seit Jahren können im TRAVELLER INN - der Kneipe im Studentenwohnheim Martinskloster- keine
Folkkonzerte mehr stattfinden, weil sich dort wohnende und lernende Studenten in ihrer Ruhe gestört fühlen könnten - und sei es nur ab und zu für 2-3 Stunden am Wochenende, durch Musiker, die ihre Kunst dezent, ganz ohne elektrische Verstärkung, darbieten. (4)

Um zurück zum Ausgangspunkt zu kommen: Die Absurdität, ausgerechnet das LUKE-Team für den Lärm auf ausgerechnet dieser Straße verantwortlich machen zu wollen, wird noch unterstrichen durch die Unmöglichkeit, diesem Lärm rechtswirksam Einhalt zu gebieten. Denn Hausrecht besitzt der Wirt weder auf dem Parkplatz - auf dem auch regelmäßig in aller Frühe Leute
warten, bis um 6 Uhr die der LUKE gegenüber befindliche Gaststätte öffnet - noch auf der Straße. So bleibt nur, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, das Lokal verlassende Gäste zur Ruhe draußen zu ermahnen. Hier ist also der Handlungsspielraum der ab Mitternacht bestehenden Türkontrolle begrenzt. Auf "Kompromiß''-Angebote des Ordnungsamtes, wie eine monatlich neu - quasi zur Bewährung - zu beantragende oder nur für's Wochenende geltende Nachtkonzession
möchte sich Jockel nicht einlassen. Er erklärt sich jedoch bereit, einen Mitarbeiter zur Betreuung des Parkplatzes abzustellen. Gleichzeitig suchen er und seine Teamkollegen den Dialog mit den Anwohnern, während besagte Nachbarin es nicht für nötig hielt, zunächst mal eine Klärung mit den vermeintlichen Übeltätern anzustreben, sondern sich mit ihrer Beschwerde gleich ans Ordnungsamt wandte.

Die Entscheidungsgewalt liegt jedoch beim Stadtrat, der im Dezember über die Angelegenheit befinden wird. Maßgeblich dürfte die Empfehlung des Anfang Oktober tagenden Ortsbeirates Trier-West sein.

Um der Forderung nach Beibehaltung der bisherigen Öffnungszeiten Nachdruck zu verleihen, hat das LUKE-Team eine Unterschriftensammlung gestartet, wobei innerhalb von 2 Wochen schon um die 1000 Leute unterzeichnet haben. Wer's noch nicht getan hat, sollte - sofern ihm oder ihr die Weiterexistenz von LUCKY's LUKE am Herzen liegt - ebenfalls unterschreiben. Listen liegen in den meisten Scene-Kneipen aus.

Anmerkungen (August 2002):
(1) Für Nicht-Trierer: In der Luxemburger Straße befindet sich Triers Puff-Meile.
(2) Prinzipiell ist Lucky's Luke ganzjährig geöffnet, in manchen Jahren ist in einem Teil des Hochsommers jedoch zwecks Renovierung geschlossen.
(3) 1994 erließ die Stadt Trier ein Aufführungsverbot für das kirchenkritische Rockmusical  "Das Maria-Syndrom" von M. S. Salomon.
(4) Mittlerweile existiert das Traveller Inn nicht mehr, nach Auslauf des Pachtvertrages wurden die Räumlichkeiten zu Studentenwohnungen umgebaut.

Klaus Blees
 
 
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