Vorbemerkung (Juli 2002): Dieser Beitrag erschien als Leserbrief in der dem linken Spektrum an der Trierer Uni zuzurechnenden Zeitschrift clandestina no 11, Juni/Juli 2002. Er ist eine Antwort auf einen Diskussionsbeitrag von Markus Pflüger (Arbeitsgemeinschaft Frieden, Trier), den dieser in der no 10, April/Mai 2002 unter dem Titel "Die fehlende Beachtung der Unterdrückung Palästinas" geschrieben hatte. Pflüger hatte dort in clandestina nachgedruckte Artikel der Aktion 3. Welt Saar kritisiert, die aus deren Flugschrift "Solidarität mit Israel" übernommen waren.

Die fehlende Beachtung der Existenzbedingungen Israels

In seiner Kritik an den Beiträgen der Aktion 3. Welt Saar verteidigt Markus Pflüger die Brandmarkung Israels als Hauptschuldigen am Blutvergießen im Nahen Osten mit dem Hinweis auf dessen - vor allem militärische - Stärke, mit der es den Schlüssel für einen Lösungsansatz in der Hand habe. Diese Aussage setzt das militärische Potential Israels jedoch nur in Beziehung zu dem der Palästinenser und klammert die Bedrohung durch arabische Staaten und einen Großteil der islamischen Welt aus. Ohne seine militärischen Fähigkeiten, ohne das Bündnis mit den USA, würde Israel nicht mehr existieren als Staat, dessen Entstehung dem antisemitischen Vernichtungswahn geschuldet ist. Aus der Wehrlosigkeit gegenüber der Verfolgung, die in der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis gipfelte, wurde die notwendige Konsequenz gezogen, diesen Staat auch als militärisch schlagkräftigen zu konzipieren. Nichts wäre daher mehr zu bedauern als eine militärische Schwäche Israels.

Freiheit oder Palästina?
Die "besetzten Gebiete" sind doch im Krieg mit für die Austilgung Israels kämpfenden Armeen arabischer Staaten besetzt worden, zu denen sie gehörten oder von denen sie verwaltet wurden und nicht bei einem Überfall auf ein kleines, "palästinensisches Volk", das 1967 noch gar nicht als solches definiert war! Warum entstand in diesen Gebieten eigentlich nicht vor der Besetzung ein eigener Staat? Vielleicht ist die Gründung eines solchen als Zwischenlösung unvermeidbar, das Wort "leider" gebraucht Markus Pflüger ja selbst in diesem Zusammenhang. Ein Kampf gegen die Unterdrückung, für die Befreiung von Menschen findet jedenfalls von palästinensischer Seite nicht statt, das Ziel ist vielmehr Staatsgründung, also die Unterdrückung von Palästinensern durch Palästinenser, vielfach verbunden mit dem Wunsch nach Vernichtung Israels und der Juden. Eine Befreiungsbewegung existiert also nicht in Palästinena, eine solche kann folglich auch von niemandem unterstützt werden.

Die Vier-Millionen-Lüge
Was die UN-Resolutionen betrifft, so haben diese Empfehlungscharakter, ihr Zustandekommen hängt von den jeweiligen Machtkonstellationen innerhalb der UNO ab, die Art ihrer Umsetzung läßt Interpretationsspielräume. Evangelien sind sie schon gar nicht. Bezogen auf das Flüchtlingsproblem bleibt unter anderem festzustellen, daß die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge mit Taschenspielertricks auf vier Millionen hochgerechnet wird. Ursprünglich auf maximal etwa eine Million geschätzt, werden auch ihre Nachkommen hinzugerechnet! Die sich in ähnlicher Größenordnung bewegende Zahl der von Israel aufgenommenen jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Staaten bleibt dann meist ganz unerwähnt.

Feindbild Islam?
Wieso erinnert der Hinweis, Kinder würden von islamistischen Gruppen an die Front geschickt, Markus Pflüger an das "Feindbild Islam"? Andere Linke werden deutlicher und bezichtigen Kritiker der Palästinenser des Rassismus, weil sie es
wagen, religiösen Fanatismus, völkisch-nationalistischen Wahn und ihre mörderischen Konsequenzen zu kritisieren. Er spricht von "unbelegten Unterstellungen und Diffamierungen". Unbelegt sind die Aussagen von Wolf und Walter zwar an der betreffenden Stelle, aber daß sie sehr wohl belegbar sind, darüber hätte Markus Pflüger sich kundig machen können! Ein Beispiel gefällig? "Die Zeit für Spielzeuge ist vorbei......Fürchte Dich nicht vor dem Tod, Märtyrium ist süß.", so ein Sänger im palästinensischen Fernsehen, laut "Tagesspiegel" vom 21.8.01 (zitiert nach BAHAMAS Nr. 38, Frühjahr 2002).

Antisemitische Qualität gängiger Israelkritik
Die Behauptung, Kritik an Israel werde mit dem Totschlagargument "Antisemitismus" gekontert, erscheint mir selbst als Totschlagargument. Als Schutzbehauptung wird es häufig gerade in Kreisen gebraucht, die den öffentlichen Diskurs mit ihrer antiisraelischen Haltung beherrschen. Kritik an Israel ist ja nicht gerade eine von Verfolgung betroffene Außenseiterposition! Und die Einordnung jeder Art von Kritik an Israel als antisemitisch findet sich nur bei sehr kleinen Gruppen, "Belege" für derartige Schutzbehauptungen lassen sich dann irgendwo immer finden. Nun hat aber ausgerechnet die Aktion 3.Welt Saar sich zu einer kritischen und eben nicht kritiklosen Solidarität mit Israel bekannt, ihr "fehlende Israelkritik" zu unterstellen ist unwahr und sonst nichts. Kritik an der israelischen Politik ausführlich zu formulieren war ja gar nicht der Anspruch ihrer Beiträge. Und solche Kritik, zumal in Deutschland, marktschreierisch vorzutragen, würde tatsächlich in antisemitisches Fahrwasser führen, worauf Thomas Ebermann treffend in einem Interview in der Maiausgabe der Zeitschrift "konkret" hingewiesen hat.
Es ist schon seltsam: Da wird das Existenzrecht Israels verbal inzwischen auch von den meisten Linken anerkannt, aber dann soll es ein Staat ohne Staatsgewalt sein! Als bürgerlicher Staat, als kapitalistische Gesellschaft, tut es das, was - wenn auch in unterschiedlicher Ausformung - das Geschäft aller bürgerlicher Staaten ist: Herrschaftsverhältnisse sichern, gegebenenfalls auch mit blutiger Gewalt. "Wer staatliche Herrschaft angreifen will, hat weltweit zweihundert Stück zur Auswahl." schreibt Hermann L. Gremliza in der "konkret" vom Mai ("Des Volks Genossen"). Daß Israel weitaus mehr als andere Staaten ins feindselige Blickfeld der Linken und der Friedensbewegung gerät, ausgerechnet der Staat, "dessen ganzer Zweck der Schutz jüdischen Lebens ist" (Gremliza ebenda), dieser Maßstab macht die antisemitische Qualität gängiger Israelkritik aus, die Markus Pflüger als Unterstellung zurückweist. Jedoch findet sich in diesem Spektrum auch Antisemitismus der unverblümten Sorte, vielleicht kennt Markus Pflüger ja die Ausfälle des Chef-Antizionisten der Tageszeitung "junge Welt", Werner Pirker, noch nicht. Und vielleicht relativiert er seine blauäugige Einschätzung der real existierenden Palästinena-Solidaritätsbewegung nach deren jüngsten Aktivitäten, als beispielsweise auf Demonstrationen in mehreren deutschen Städten zum palästinensischen "Tag des Bodens" am 13.4. Islamisten und Nazis unbehelligt mitmarschieren durften. In Berlin waren unter anderem die faschistischen Grauen Wölfe aus der Türkei und die kosovo-albanische Mörderbande UCK mit von der Partie, wie selbst "junge Welt"-Korrespondent Arian Wendel am 15.4.02 einräumen mußte. Auf den Demos durften dann so antifaschistische Parolen gerufen werden wie "Schwule Sau Sharon" oder "Heil, Heil Hitler" (laut BAHAMAS Nr. 38).

Klaus Blees, Mitglied der Aktion 3.Welt Saar und durch deren Israel-Flugschrift zum Eintritt motiviert
 
 
Zur Homepage
Zum Inhaltsverzeichnis meiner Website
Zu meiner Linkliste