Okkultismus
Jedes Spiel ist ein Heimspiel
Ich bin kein Okkultist, glaube weder an Gott noch an den Teufel oder sonst irgendwelche Geister. Dennoch halte ich die Phänomene, mit denen sich Okkultisten auseinandersetzen, für real, kenne sie teilweise aus eigener Erfahrung. Ich habe schon mit Toten gesprochen, bin auch öfters von allerlei Spukphantomen belästigt worden - im Traum.
Und hier liegt meines Erachtens der Trugschluß vieler Esoteriker: Daß sie zwei Ebenen der Wirklichkeit verwechseln. Nämlich unsere innere Realität, wie sie uns in Träumen, Trancezuständen, Drogenerfahrungen und dergleichen entgegentritt und die über die Sinnesorgane vermittelte äußere Realität. Wobei eben in veränderten Bewußtseinszuständen innerseelische Gegebenheiten teilweise als außerhalb erlebt und von Psychologen und Psychiatern mit dem abwertenden Begriff "Halluzinationen" belegt werden. Und viele esoterische Techniken sind Methoden zur Erzeugung veränderter Bewußtseinszustände.
Hieraus ergeben sich aber nicht nur Gefahren. Bei verantwortungsvoller Anwendung können sie ungeheure Chancen für Selbsterfahrung und persönliches Wachstum sein. Denn das, was uns in solchen Situationen begegnet, ist in der Regel Ausdruck nicht zur Kenntnis genommener und abgelehnter Aspekte der eigenen Persönlichkeit. Also bietet sich hier eine ideale Möglichkeit, diese Anteile kennen und akzeptieren zu lernen. Sie als außerhalb des Körpers existierende Wesenheiten einer jenseitigen Welt mißzuverstehen, scheint mir dabei eher hinderlich.
Noch ein paar Bemerkungen zu sogenannten paranormalen Ereignissen wie Hellseherei und Zukunftswahrnehmung. Derartige Tatsachen zu leugnen, weil sie nicht ins eigene Weltbild passen, halte ich für ziemlich albern. Aber deswegen zwingen auch sie noch lange nicht zu okkultistischen Erklärungen. Eine mir plausible Interpretation hat der saarländische Bewußtseinsforscher Paul Tholey in Anlehnung an die Arbeiten des Physikers David Bohm formuliert. Diese "holografische" Sichtweise läuft darauf hinaus, daß jeder Teil die Ordnung des gesamten Universums repräsentiert. Daher trägt jeder Mensch potentiell Informationen über alles, was irgendwo und irgendwann im Kosmos geschieht, in sich, um es mal laienhaft auszudrücken.
Insbesondere Zustände, in denen der Sinneskontakt mit der Außenwelt eingeschränkt oder abgebrochen ist, erleichtern den Zugang zu diesem inneren Wissen. KEIN WUNDER also, wenn "paranormale" Erlebnisse in Träumen gehäuft auftreten.
Klaus Blees
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