Vorbemerkung (November 2007): Am 11. Oktober 2007 jährte sich der Todestag Georg Friedrich Dasbachs, des Gründers der Trierer Bistumszeitung Paulinus, zum hundertsten Mal. Grund für Paulinus und Trierer Bischof, dieses katholischen Publizisten und Zentrumspolitikers lobend zu gedenken, worüber die Tageszeitung Trierischer Volksfreund in ihrer Ausgabe vom 17. Oktober 2007 unter der Überschrift "Kämpfer für die kleinen Leute" berichtete. Dasbachs üble Seiten, insbesondere sein ausgeprägter Antisemitismus, blieben unerwähnt. Sowohl Johannes Platz als auch ich versuchten, dies mit Leserbriefen nachzutragen. Am 24. Oktober 2007 erschien der Leserbrief von Johannes Platz, ein von mir am 21.10. abgeschickter blieb unveröffentlicht. Beide dokumentiere ich hier.


Dasbachs dunkle Seite

Georg Friedrich Dasbach hat seine unbestrittenen Verdienste, auf die der Paulinus zu recht stolz ist. Doch Dasbach hat auch eine zeittypische dunkle Seite, die man nicht vergessen sollte, und die sein Eintreten für die kleinen Leute in ein anderes Licht rückt. Wie die Forschungen von Olaf Blaschke zum Antisemitismus im katholischen Milieu gezeigt haben, war Dasbach eben auch nicht frei von Anfeindungen gegen gesellschaftliche Minderheiten. Gegen die Juden polemisierte er und machte sie in einem eigentümlichen reaktionären Antikapitalismus für den so genannten "Wucher" verantwortlich.

Auch sonst hat er zu Verschwörungstheorien keine Distanz gespürt, denn Hintergrund des Wuchervorwurfs ist ja die Unterstellung, die Juden sprächen die Preise und Zinsen absichtlich zum Schaden der Christenmenschen untereinander ab. Dasbach ist ein glühendes Beispiel, dass die menschenfeindliche Ideologie des Antisemitismus', anders als vielfach angenommen, auch vor dem organisierten Katholizismus keinen Halt machte. Es fragt sich, ob auch dies ein Teil des Erbes von Georg Friedrich Dasbach ist, zu dem sich der Paulinus ja so ausdrücklich bekennt.

Johannes Platz

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Hat der Paulinus Angst, die Lebensgeschichte seines Gründers kritisch aufzuarbeiten? Zumindest das Gedenken anlässlich des 100. Todestags von Dasbach scheint nur von Lob gekennzeichnet zu sein und die dunklen Flecken seiner Biografie auszuklammern. Der “Kämpfer für die kleinen Leute” machte für deren Elend nämlich die “Wucherjuden” verantwortlich und nutzte den antisemitischen “Trierer Bauernverein” als Propagandainstrument. Sein “Sankt Paulinus Blatt” stellte in einer eigenen “Das Wucherunkraut” betitelten Rubrik häufig Juden als Übeltäter dar. Im Paulinus-Verlag erschien 1887 Dasbachs antisemitisches Buch “Der Wucher im trierischen Lande”.

Als Dasbach die im Volksfreund-Bericht erwähnte “Märkische Volkszeitung” günstig erworben hatte, war er seinerseits mit dem Vorwurf des Wuchers konfrontiert. Er konterte erfolgreich, indem er sich selber als Kämpfer gegen “Judenwucher” und als bewährten Antisemiten hinstellte. Dasbach glaubte auch, dass Juden für ihre Riten Christenblut benötigten.

Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Dasbach war einer der prominentesten offen auftretenden Antisemiten in Katholischer Kirche und Zentrumspartei des Deutschen Kaiserreichs. Der Trierer Historiker Olaf Blaschke hat den katholischen Antisemitismus der damaligen Zeit einschließlich Dasbachs Wirken umfassend erforscht und seine Ergebnisse veröffentlicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass all dies dem Trierer Bischof und der  Paulinus-Redaktion unbekannt ist.

Klaus Blees
 
 
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