Vorbemerkung (Juni 2003): In der Ausgabe Nr. 122 (März/April 2003) der sich als alternativ-wissenschaftlich verstehenden Zeitschrift raum & zeit ist unter dem Titel „Wir Israelis haben den Schlüssel zum Frieden“ ein Interview mit der in Deutschland lebenden israelischen Rechtsanwältin Felicia Langer erschienen. Frau Langer zählt zu den vehementesten israelischen Kritikern der Politik Israels und ist gern gesehene Partnerin insbesondere deutscher Antizionisten. Das Interview stand vorübergehend als PDF-Datei im Netz, ist aber jetzt - außer in der Printausgabe der Zeitschrift - nur noch als Broschüre erhältlich. Anfang März habe ich untenstehenden Leserbrief an raum & zeit geschickt, der allerdings nicht veröffentlicht wurde, jedenfalls nicht bis zur soeben erschienenen Juli/August-Ausgabe (Nr. 124). Ich mache ihn hier also erstmals öffentlich.
 
 

Verzerrende Darstellung




Wieso Frau Langer eine der „wenigen“ sein soll, „die die israelische Besatzungpolitik sowie das Schweigen der Welt anprangern“, wie es in der Einleitung zum Interview heißt, ist mir ein Rätsel. Denn in einem Großteil der Medien, wie auch am Stammtisch und auf Demonstrationen gehört es zum guten Ton, Israel zu brandmarken. In der UNO ist Israel der am stärksten geächtete Staat, nicht etwa wegen besonderer Bösartigkeit, sondern weil an den jüdischen Staat zu seinen Ungunsten andere Maßstäbe angelegt werden als an den Rest der Welt. Frau Langer bedient, auch wenn dies nicht ihre Absicht ist, mit ihren realitätsverzerrenden Äußerungen antiisraelische und letztlich antisemitische Stereotype.

Nur einige Klarstellungen: Israel hat nicht das Land eines schwachen palästinensischen Volkes erobert, sondern in Kriegen, in denen es von den Armeen mehrerer arabischer Staaten zum Zwecke der Tilgung von der Landkarte angegriffen wurde, Teile von deren Gebieten besetzt. Die dort lebenden Araber wurden erst nach 1967 als „Palästinenser“ im heutigen Sinne definiert. Ohne eine schlagkräftige Armee würde Israel nicht mehr existieren, seine Wehrhaftigkeit ist eine der Konsequenzen aus der in der Vernichtungspolitik der Nazis gipfelnden Judenverfolgung. Die USA können und müssen aus unzähligen Gründen kritisiert werden, ihre Unterstützung Israels gehört nicht dazu.

Indem Frau Langer den Mythos von der Missachtung zahlreicher UNO-Resolutionen durch israelische Regierungen wiederholt, unterschlägt sie, dass es sich um an beide(!) Konfliktparteien gerichtete und nur einvernehmlich umsetzbare Resolutionen mit Empfehlungscharakter handelt. Den Irak betreffende verbindliche, sich in ihrem Rechtsstatus davon unterscheidende Resolutionen dem gegenüberzustellen ist ein mehr als nur hinkender Vergleich. Einen Krieg gegen den Irak lehne ich allerdings trotz dieser Feststellung ab.

In einem Teilgebiet des Flüchtlingslagers von Jenin, das wiederum nur einen Sektor der Stadt ausmacht, kam es zu Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und bewaffneten Palästinensern, bei denen Menschen starben und Häuser zerstört wurden. Es handelte sich keineswegs um einen Willkürakt und schon gar nicht um ein Massaker, wie palästinensische Propagandisten und ihre Sprachrohre weismachen wollten. “Palästinenser wurden als menschliche Schutzschilder benutzt.“ - Richtig! Aber von Palästinensern, wie Frau Langer vergisst, hinzuzufügen! Unrichtig ist hingegen ihre Behauptung, die Untersuchungskommission des Weltsicherheitsrates sei „durch Israel einfach abgelehnt“ worden. Die Ablehnung wurde mit dem Charakter der Kommission begründet und war keine generelle Absage an eine Untersuchung. Ob das klug war oder nicht vielmehr Gerüchten Vorschub geleistet hat, ist eine andere Frage.

Dies sind nur Beispiele für die Fülle von Halbwahrheiten und Falschdarstellungen in dem Interview. Propagandafakes und ungerechtfertigte Stimmungsmache gegen Israel entschieden zurückzuweisen hat nichts zu tun mit Tabuisierung einer kritischen Auseinandersetzung mit Israels Politik. Aufgabe kritischer Medien - und zu diesen rechnet sich raum&zeit - wäre es, den verbreiteten antiisraelischen Haltungen mit Aufklärung entgegenzutreten – ohne Israel zu idealisieren.

Klaus Blees
 
 
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