Vorbemerkung (August
2006): Diesen Beitrag hat mir Hartmut Krauss Anfang Mai zugeschickt,
er ist also einige Zeit vor dem neuen Nahost-Krieg entstanden, der ihm
zusätzliche Bedeutung verleiht. Ich stelle ihn mit Einverständnis
des Autors auf meine Website.
Klaus Blees
Antiamerikanismus, Antimarxismus (Poststalinismus)
und proislamistische ‚Solidarität’. Der Iran-Konflikt als Spiegel
politisch-ideologischer Desorientierung.
In der Tat ist eine grundlegende Kritik an den USA als ein expansives,
durch eine christlich-fundmentalistische Massenbewegung gestütztes,
spätkapitalistisches Herrschaftssystem unabdingbar für eine gesellschafts-
und subjektemanzipatorische Perspektive im 21. Jahrhundert. Eine solche
emanzipatorische Kritik ist aber prinzipiell und systematisch abzugrenzen
von jenem dumpfen und mitunter quasirassistisch-grotesken Antiamerikanismus,
wie er insbesondere auch von traditionalistischen (poststalinistischen
und trotzkistischen) Teilen der Restlinken in Deutschland vertreten wird.
In dieser ideologischen Sichtweise werden die USA im geistigen Schlepptau
des Islamismus als der „große Satan“ inszeniert und vermittels eines
monokausalen und
verschwörungsideologischen „Erklärungsdogmas“ für sämtliche
Weltübel verantwortlich gemacht.
Die ebenso aggressive wie primitive Einseitigkeit dieses Feindbildes
bringt es mit sich, dass nichtwestliche Herrschaftskulturen wie zum Beispiel
die islamzentrierten Gesellschaftssysteme des Nahen und Mittleren Ostens
in ihrer kulturintern verwurzelten und verursachten Rückständigkeit,
Repressivität und Inhumanität/Menschenrechtsfeindlichkeit entschuldigt,
verharmlost und bedeckmäntelt werden. Da deren Herrschaftsträger
oftmals eine antiwestliche, antiamerikanische und antiisraelische Propaganda
absondern, werden sie nach der vulgären Logik „Der Feind meines Feindes
ist mein Freund“ obendrein noch zu „antiimperialistischen Bündnispartnern“
hochstilisiert bzw. zum Fetischobjekt antiamerikanischer/antiisraelischer
Solidarität erkoren.
Eine solche Position stellt schon längst einen absoluten Bruch
mit jenem Marxschen kategorischen Imperativ dar, der nicht nur unter dem
Eindruck des (Früh-)Kapitalismus, sondern
explizit anhand der
Erfahrung der religiös legitimierten prämodernen Herrschaftskultur
formuliert wurde: „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß
der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem
kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der
Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches
Wesen ist“ (MEW 1, S.385). Nur das Eintreten für soziokulturelle Verhältnisse
(einschließlich eines säkular-humanistischen Bildungs- und Erziehungssystems),
in denen der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist, schafft
uns die ganze „alte Scheiße“ der religiösen bis fundamentalistischen
Herrschaftsanmaßung/Normsetzung vom Hals. Nur eine radikale Kritik
der Religion (in ihrer reaktionären Multifunktion als Grundform der
menschlichen Selbstentfremdung, repressive Herrschaftsideologie und Folie
regressiver Widerspruchverarbeitung) führt zu einer wirklich grundlegend-umfassenden
bzw. unverkürzten Kritik zwischenmenschlicher Herrschaftsverhältnisse.
Ganz in diesem Sinne ist die schonungslose Kritik prämodern-religiös
strukturierter und legitimierter Herrschaftsverhältnisse die conditio
sine qua non für jede emanzipatorische Zielsetzung und kann nur um
den Preis geistig-moralischer sowie praktisch-politischer Selbstverstümmelung
verdrängt werden. Somit setzt die allgemeine menschliche Emanzipation
die Überwindung der kapitalistischen Entfremdungsverhältnisse
voraus; aber die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft auch in ihrer
„spätmodernen“ Gestalt repräsentiert eine höhere Stufe der
Entwicklung als die prämodern-feudale bzw. despotische Herrschaft,
die untrennbar mit absolutistischer bzw. totalitär auftretender religiöser
Legitimation als soziokulturelle ‚Software’ verknüpft ist.
In dieser Perspektive kann man natürlich mit voller Berechtigung
und in massiver Form die konkrete Vorgehensweise der Amerikaner in Afghanistan
und im Irak kritisieren (Guantanamo, Abu Ghraib, Blut für Öl
etc.). Aber die Beseitigung der Taliban-Herrschaft und der baathistischen
Saddam-Diktatur war zweifellos ein positiver Wirkungseffekt der amerikanischen
Praxis. Die USA sind bekannt für ihre globalstrategische Unterstützung
repressiver Regimes und sie hatten die Taliban erst mit herangezüchtet
und Saddam unterstützt. Aber sie sind auch bekannt dafür, Fehler
pragmatisch zu korrigieren. Man kann nicht einseitig Krokodilstränen
über die amerikanischen Militärschläge vergießen und
auf der anderen Seite die alltägliche Bestialität und den totalitär
organisierten Antihumanismus der tradierten Diktaturen beschweigen bzw.
im Nachhinein verharmlosen. Andererseits muß man natürlich klar
feststellen, dass die Amerikaner zwar prämodern-repressive Herrschaftsverhältnisse
zerstören können, aber dann von außen keine
zivilisatorische Höherentwicklung zu initiieren vermögen.
Was folgt daraus? Zunächst eine grundsätzliche
Positionsbestimmung im Sinne einer dritten, kritisch-humanistischen Front:
„Während die Verteidiger der ‚westlichen Werteordnung‘ in ihrer
undifferenzierten Apologetik die bürgerlich-kapitalistische Deformation
der kulturellen ‚Moderne‘ ignorieren, bleibt in den ‚antiwestlichen‘ Diskursen
der verbliebenen ‚Restlinken‘ der totalitär-antihumanistische Charakter
sowie die reaktionäre Konstitution ‚nichtwestlicher‘ Herrschaftsordnungen
weitestgehend außer Betracht. Was angesichts dieser verfahrenen politisch-ideologischen
Konstellation erforderlich ist, wäre der Aufbau eines säkular-humanistische
Blocks emanzipatorisch-herrschaftskritischer Bewegungen, der in
aktualisierender Anknüpfung an die Grundinhalte der kulturelle ‚Moderne‘
für eine Überwindung der kapitalistischen und traditionalen
Dominanzverhältnisse und Herrschaftsstrukturen einträte und wieder
Marx‘ kategorischen Imperativ unverkürzt zur Geltung brächte“
(Krauss 2003, S. 300).
Eine doppelte kritisch-humanistische Frontstellung
sowohl gegen die spätkapitalistische Herrschaftskultur des Westens
als auch gegen die nichtwestlich-prämoderne Herrschaftskultur ist
nicht in jedem Falle äquidistant, sondern folgt auch in konkreten
Konstellationen der Logik des
kleineren Übels. Was bedeutet das mit Blick auf den Iran?
1) Nach der islamistischen (khomeinistischen)Thermidorianisierung
der Anti-Schah-Revolution und des Umschlags einer Befreiungsrevolution
in eine konterrevolutionär-totalitäre Bewegung unter Führung
schiitisch-fundamentalistischer Kräfte, wurde im Iran eine Gottesdiktatur
errichtet, die zentrale Merkmale eines totalitären (islamo-faschistischen)
Herrschaftssystems aufweist. „Im Falle der ‚Islamischen Republik Iran’
findet eine monopolistische Kontrolle der Gesellschaft auch ohne eine Partei
statt, weil staatlich-totalitäre Institutionen die monopolistische
Kontrolle übernommen haben. Nicht die Partei gibt das Programm vor,
sondern der religiöse Führer, der einem khomeinistisch geprägten
Institutionengefüge vorsteht und eine Justiz, die die Vergangenheit
der islamischen Urgemeinschaft in die Zukunft projiziert. Diese geben das
Programm und die Ideologie der Diktatur vor und kontrollieren sie mittels
Geheimdienst und Polizei. Die religiöse Propaganda garantiert dabei
den totalitären Charakter der Herrschaftsordnung“ (Wahdat-Hagh 2003,
S.483). Exemplarische Ausdruckformen der ‚islamo-faschistischen’ Schreckensherrschaft
im Iran sind das Erhängen homosexueller Halbwüchsiger, die Steinigung
von (angeblichen) Ehebrecherinnen, die Liquidierung von Regimegegnern,
das Auspeitschen von jugendlichen Partyteilnehmern sowie die barbarische
Wirkungsmacht eines Gefängnis- und Spitzelsystems, das auf sadistischen
Verhör-, Einschüchterungs- und Foltermethoden beruht. Mit einem
Satz: Dieses Regime und seine Anhänger verdienen nicht ein Jota Solidarität,
vielmehr gebührt der antiislamistischen Opposition 100 Prozent Unterstützung!
Wer den Charakter der iranischen Herrschaftsverhältnisse nicht offen
anspricht und im Grunde „Hände weg vom Iran“ ruft, handelt wie ein
Handlanger dieses Regimes.
2) Die Wahl des neuen Ministerpräsidenten
Ahmadinedschad, die insbesondere durch die Mobilisierung des lumpenproletarischen
Mobs bei gleichzeitigem Wahlboykott der Reformkräfte bzw. der demokratischen
Opposition ermöglicht wurde, hat zum einen die innere Repression noch
weiter verschärft und nach dem Abgang des als „neuer Gorbatschow“
verklärten Ex-Präsidenten Khatami noch einmal deutlich gemacht:
eine islamistische Diktatur ist nicht reformierbar. Zum anderen hat das
Regime mit Ahmadinedschad als Sprecher die antijüdische Hetzpropaganda
auf kaum vorstellbare Weise verschärft und eine kalkulierte Provokationspolitik
in Gang gesetzt, die tatsächlich an Hitler erinnert und Islamisten
im Westen bereits unter Plakaten demonstrieren lässt, die mit „God
bless Hitler“ beschrieben sind. Angesichts dieser evidenten Faktenlage
die Holocaustleugnung und die massive antiisraelische Hetzpropaganda Ahmadinedschads
in Abrede stellen zu wollen, zeugt von einer geistigen und moralischen
Umnachtung, die man selbst den eingefleischtesten Stalinisten nicht zugetraut
hätte. Doch die unter der Losung „Friede den Hütten – Krieg den
Palästen“ erscheinende spättrotzkistische SoZ erweist sich einmal
mehr als Gossenapologet des Islamismus und scheut sich nicht, mit Hilfe
einer demagogischen Rabulistik die Aussagen von Ahmadinedschad in „Fehlübersetzungen“
umzulügen (SoZ 5/Mai 2006, S.15.).
3) Deutschland ist der wichtigste westliche
Wirtschaftspartner des Iran und somit prädestiniert für einen
Verharmlosungs- und Beschwichtigungsdiskurs. Insofern ist es durchaus aufschlussreich,
dass selbst der frühere Bundesaußenminister Fischer das Streben
der iranischen Gottesdiktatur nach der Atombombe nicht mehr leugnet. „Der
Iran ist derzeit dabei, weit reichende Mittelstreckenraketen auszuprobieren,
ihre Zielgenauigkeit zu verbessern und die erforderliche Sprengkopftechnologie
zu beschaffen. Das macht man doch nicht alles, weil man Flugblätter
verschießen will. Das macht man auch nicht, wenn man weit reichende
Mittelstreckenraketen mit einem konventionellen TNT-Sprengkopf herstellen
will. Das wäre unter militärischen Gesichtspunkten der teuerste
Blödsinn, den man überhaupt machen kann. So etwas macht nur Sinn
mit nicht-konventioneller, sprich: Nuklearbestückung. Diese wiederum
macht nur Sinn vor dem Hintergrund hegemonialer Bestrebungen - und ebenda
liegt ein enormes Risiko. Und zwar nicht „nur“ bezogen auf Israel. Denn
die erste Konsequenz wäre ein nuklearer Rüstungswettlauf im Nahen
Osten.“ (Blätter für deutsche und internationale Politik 4/2006,
S. 431.) Nach Einschätzung des BND halten allein in Deutschland weit
über 100 iranische Tarnfirmen Ausschau „nach allem, was dem Bau einer
Atombombe dienen kann“. (Neue Osnabrücker Zeitung vom 15. Februar
2006, S.4).
Addiert man die totalitär-repressive
Konstitution des iranischen Herrschaftssystems, das Streben der Gottesdiktatur
nach der Atombombe und den pathologisch-eliminatorischen Haß gegen
die Juden, dann spricht ALLES gegen eine Solidarisierung mit dem Iran.
Zudem muß man den inneren Zusammenhang bzw. den internen Verweisungscharakter
der islamischen Herrschaftskultur in Rechnung stellen, d.h.: man kann die
iranische Gottesdiktatur und ihr Treiben nicht losgelöst vom Treiben
der Hamas und der Hisbollah, dem islamistischen Terror im Irak und dem
globalen Djihad betrachten. Nicht nur Ostermarschierer, sondern viele Menschen
im Westen glauben ernsthaft, Krieg sei nur folgendes: Nach einer relativ
langen Zeit der Durchsetzung und Aufrechterhaltung einer „Drohkulisse“
hält der amerikanische Präsident eine Fernsehansprache. Kurz
danach dringen US-Flugzeuge in den feindlichen Luftraum ein und bombardieren
mit mächtigen Kollateralschäden strategische Ziele. Danach rücken
Bodentruppen ein, erobern die Hauptstadt und den Herrschaftssitz etc. Dabei
wird folgende ‚Kleinigkeit’ übersehen: Die Akteure des Islamismus
bzw. des ‚politischen Islam’ haben dem Westen längst den Krieg erklärt
und führen ihn bereits als globalen terroristischen „Guerillakrieg“.
Handelt es sich bei den zahlreichen Terroranschlägen vor und nach
dem 11.9. 2001 z.B. in Bali, in Istanbul, in Madrid, in London, in Jordanien,
in Ägypten etc. mit zahlreichen Toten etwa nicht um Kriegshandlungen?
Wie viele einheimische tote Zivilisten gibt es im Irak, die nicht durch
amerikanische oder englische Waffen, sondern durch die Anschläge von
muslimischen Terroristen, Baathisten im Untergrund, sunnitische oder schiitische
Milizen ums Leben gekommen sind? Eingerahmt in dieses djihadistische Kriegsszenario
muß die antiisraelische Hetzkampagne und das iranische Streben nach
der Atombombe gesehen werden: Es geht um die propagandistisch-strategische
Vorbereitung einer neuen Intensitätsstufe im ‚Heiligen Krieg’ gegen
den Westen und die Unbotmäßigen im eigenen Herrschaftsraum.
(In den Einflußzonen der irakischen „Widerstandsmilizen“ wird unmittelbar
eine radikal-schariatische Schreckensherrschaft nach dem Vorbild der Taliban
ausgeübt.)
Die militante Hysterie
anlässlich des Karikaturenstreits war nur möglich, weil sich
der radikalislamische Teil der Gesellschaften mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung
längst in einem Kriegszustand wähnt und entsprechend denkt, fühlt
und handelt. Demgegenüber hat der radikalpazifistische Teil der westlichen
Gesellschaften sich längst aufgegeben, denkt, fühlt und handelt,
als wolle er es einem Haufen Lemminge gleichtun und arbeitet hartnäckig
im Gewand des „Gutmenschen“ an seiner freiwilligen Selbstaufgabe bis hin
zur vorauseilenden Unterwerfung.
Sollte man der iranischen
Gottesdiktatur angesichts dieser Sachlage militärisch „auf die Finger
hauen“ und ihre entsprechende atomwirtschaftliche Infrastruktur zerstören?
1) Zunächst einmal
ist davon auszugehen, dass auch nach Einschätzung des amerikanischen
Geheimdienstes die iranische Gottesdiktatur noch einige Jahre bis zur Fertigstellung
einer Atombombe benötigen wird. Diese Zeit muß effektiv genutzt
werden, um das fundamentalistische Regime politisch zu isolieren und die
säkulare antiislamistische Opposition zu stärken. Deshalb muß
die Demaskierung des iranischen Gottesstaates als totalitäres Herrschaftsregime,
in dem die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, ins Zentrum
gerückt werden und darf nicht durch antiamerikanische Propaganda verdrängt
oder relativiert werden. „Eine Linke, die nicht aus der Perspektive der
Opposition im Iran argumentiert, rückt sehr schnell in eine affirmative
Haltung gegenüber dem iranischen Staat. Leider ist es bisher vor allem
George Bush gewesen, der an prominenter Stele auf den diktatorischen und
in der Bevölkerung isolierten Charakter des iranischen Regimes hingewiesen
hat. Wer dies tut, hat die Sympathie der verzweifelten Menschen im Iran
sicher. Die Linke darf dies nicht Bush überlassen“ (so die von der
Redaktion offensichtlich überhörten Worte von Pedram Shahyar
in der SoZ 3/März 2006, S.22).
2) Den Menschen im
Iran muß klar gemacht werden: Die Politik und Propaganda ihres Staatspräsidenten
und seiner Anhänger sind auch für die fortschrittlichen Menschen
im Ausland absolut inakzeptabel. Die Atombombe in den Händen eines
Gottesstaates mit einem fanatisierten Massenanhang kann unter keinen Umständen
hingenommen werden. Wenn der politische Druck bis hin zum UN-Ausschluss
nicht ausreicht und die innere Opposition sich mittelfristig als nicht
genügend durchsetzungsfähig erweist, müssen auch der ökonomische
Druck erhöht und Wirtschaftssanktionen erlassen werden. Alle oppositionellen
und einsichtigen, aber nicht durchsetzungsfähigen Iraner sollten das
Land verlassen und „mit den Füßen“ gegen das Regime vorgehen.
Nach meiner Einschätzung stellen weniger
die Amerikaner als vielmehr die Russen und Chinesen das Hauptproblem dar.
Deren nationalistische Interessenlage könnte den konsequent-einheitlichen
Aufbau einer wirkungsmächtigen Drohkulisse beeinträchtigen und
damit wiederum Anlass bieten für eigenmächtige Militäraktionen
seitens einer „Koalition der Willigen“. Andererseits ist offensichtlich,
dass eine Politik des opportunistischen Zurückweichens – die nach
außen als politische Klugheitsregel verkauft wird – objektiv Öl
ins Feuer der entzündeten islamischen Herrschaftskultur gießt.
Denn: Während sich im Westen angesichts des Zusammenbruchs des „realen
Sozialismus“ die triumphalistische Ideologie vom „Ende der Geschichte“
ausbreitete, wurde in der islamischen Welt ein kulturspezifischer Triumphalismus
virulent, der eine andersartig konstituierte Siegermentalität artikulierte.
Der israelische Terrorismusexperte Eli Karmon beschreibt diesen euphorisch-optimistischen
Einstellungstyp der islamistischen Gotteskrieger folgendermaßen:
„Man muß mit ihrer Logik denken, nicht mit unserer. Die Integralisten
sehen sich als Avantgarde einer islamischen Weltrevolution. Nach dem Sieg
der afghanischen Mudschaheddin über die Rote Armee glauben sie, die
wahre Ursache des Zusammenbruchs des Kommunismus zu sein. ... Jetzt halten
sie die Zeit für gekommen, den anderen Feind des Islam zu vernichten:
die weltliche, demokratische, kapitalistische, judäo-christliche Kultur
des Westens. Das Ziel scheint ihnen erreichbar.“
Hartmut Krauss
Literatur:
Krauss, Hartmut: Faschismus und Fundamentalismus.
Varianten totalitärer Bewegung im Spannungsfeld zwischen ‚prämoderner
Herrschaftskultur und kapitalistischer ‚Moderne‘. Osnabrück 2003.
Wahdat-Hagh, Wahied: „Die Islamische Republik
Iran“. Die Herrschaft des politischen Islam als eine Spielart des Totalitarismus.
Münster – Hamburg – London 2003.