Joseph Raymond McCarthy lebte von 1908-1957. Dieser Senator war in den
fünfziger Jahren in den USA das Symbol für die Unterdrückung
aller, die politisch links von ihm standen. Dazu "Helsing" (S. 159):
Die verdeckten Operationen des CIA begannen in den frühen Fünf-
zigern, um Regierungen anderer Länder zu stürzen, die noch nicht von
den Illuminati kontrolliert waren und diese durch illuminierte bzw. ge-
steuerte Leute zu ersetzen. Einige der US-Senatoren begannen Lunte
zu riechen und sich zu wundern, wie z. B. Senator McCARTHY, war-
um sich so viele Kommunisten in hohen Positionen in der US-Regie-
rung befanden. McCarthy gründete das "House Hearing on Unameri-
can Activities" (Anhörung im "House" über nichtamerikanische
Aktivitäten) und konnte einige kommunistische Aktivitäten aufdecken,
wurde jedoch durch die Medien in Mißkredit gebracht. Dies ist die er-
folgreichste und bewährteste Methode, Störenfriede aus der Bahn zu
werfen. Später startete McCarthy Nachforschungen im CIA. Wäre er
ein bißchen tiefer gedrungen, hätte er eventuell das Attentat auf J. F.
Kennedy verhindern können.
Damit wiederholt "Helsing" die alte Legende von McCarthy und der
John Birch Society, die dadurch auch nicht wahrer wird. Nicht McCarthy
war das Opfer, sondern: Gewerkschaften, politische Organisationen, Künstler
- besonders aus der Filmbranche - und letztlich eine ganze Gesellschaft,
die weitgehend gleichgeschaltet wurde. McCarthy war auch kein einsamer
Aufrechter, sondern nahm opportunistisch die allgemeine Stimmung des Kalten
Krieges auf und trieb sie noch ein ganzes Stück weiter.
Nicht nur, daß "Helsing" McCarthy völlig verharmlosend darstellt, er wirft auch geschichtliche Daten und Namen durcheinander. Bei der von ihm als "House Hearing on Unamerican Activities" bezeichneten und in einem "House" (?) vermuteten Einrichtung handelte es sich um das "House Un-American Activities Committee" (HUAC) im Repräsentantenhaus (das sind Angaben, die ganz einfach zu bekommen sind, man muß sie nur suchen). HUAC wurde auch nicht von McCarthy gegründet, es war noch vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden, im Jahre 1938. Zunächst als vorübergehende, ursprünglich sogar nur für einige Monate konzipierte Einrichtung vorgesehen, erhielt es 1945 Dauerstatus (Donner 1961, S. 8). Mit McCarthys Namen untrennbar verbunden ist allerdings die Entwicklung dieses "Kongreß-Monsters" in den fünfziger Jahren zu einem noch schlimmeren Unterdrückungsinstrument, als es das vorher schon war. Ohne selber direkter Vertreter des HUAC zu sein, stärkte er es, indem er mit seinen demagogisch-denunziatorischen Öffentlichkeitsauftritten das inquisitorische Klima verschärfte. 1953 wurde er dann Vorsitzender des "Government Operations Committee", eines dem HUAC vergleichbaren Senatsausschusses. 1954 folgte seine Entmachtung, weil er sich zu weit vorgewagt und sogar mit der Armee angelegt hatte. Das HUAC war vor ihm da und hat ihn auch nach seinem Fall überlebt. 1968, auf dem Höhepunkt von Studentenbewegung und "Black Power", schlug es beispielsweise vor, die Rechte von Angehörigen revolutionärer Gruppen einzuschränken bis hin zu Internierungen (Ege / Ostrowsky 1986, S. 67). Im gleichen Jahr wurde mit Richard Nixon auch einer seiner eifrigsten ehemaligen Inquisitoren zum US-Präsidenten gewählt. Nach der 1969 erfolgten Umbenennung in "Committee on Internal Security" wurde es erst 1975 aufgelöst.
Literatur zu 3.3.:
Crawford, Alan: Thunder on the Right. The "New Right" and the Politics
of Resentment. Pantheon Books. New York 1981.
Donner, Frank J.: The Un-Americans. Ballantine Books. New York 1961.
Ege, Konrad / Ostrowski, Jürgen: Ronald Reagan. Eine politische
Biographie. Pahl-Rugenstein. Köln 1986.
"Jan van Helsing": Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert.
EWERTVERLAG. Rhede 1993.
Lundberg, Ferdinand: Die Reichen und die Superreichen. Macht und Allmacht
des Geldes. Fischer Taschenbuch. Frankfurt (Main) 1971.
Shoup, Laurence / Minter, William: Kulissenschieber e.V. Der Council
on Foreign Relations und die Außenpolitik der USA. adebar / Freunde
der Erde / Roter Funke. Bremen / Berlin 1981.
Online-Literatur:
- "Collector": Schwarze
Liste. Ein schwarzes Kapitel in der amerikanischen Filmgeschichte.
- Infoplease:
House Un-American Activities Committee.
- Infoplease:
McCarthy, Joseph Raymond.
- Informationsdienst
gegen Rechtsextremismus: Der Malmedy-Prozess und die Legenden von erfolterten
Geständnissen. Der Beitrag enthält Informationen zu McCarthys
Antisemitismus.
- Michaelis,
Nils: Hoovers Staubsauger. Vor 50 Jahren beschloß Hollywood die Einführung
der "Schwarzen Liste". in: Jungle World 49/1997.
- Rottmar,
Markus: Biografie von Richard M. Nixon.
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