Johannes Agnoli an der Uni Trier
Für den 20.11. hatte das Anti-Rassismus-Referat des Uni-AStA Johannes
Agnoli, einen der profiliertesten linksradikalen
Gesellschafts- und Staatskritiker, zu einem Gastvortrag eingeladen.
Der heute wieder in seiner Heimat Italien lebende
emeritierte Politologie-Professor der FU Berlin sprach in der für
ihn typischen, lebendigen und verständlichen Art über den "Staat
des Kapitals". Leider fehlt hier der Platz, auf dieses Highlight politischer
Veranstaltungen in Trier näher einzugehen.
Sehr sachlich und illusionslos analysierte er die Funktion des Staates als vor allem in seiner parlamentarisch verfaßten Form ideales Mittel, die Rahmenbedingungen der Kapitalverwertung zu sichern, notwendigerweise auch gegen unmittelbare Interessen der einzelnen Kapitalisten. Für diese Regulierung müssen im Zeitalter der "Globalisierung" im Gesamtinteresse des Kapitals neue Formen gefunden werden.
Die Möglichkeit der Neuentstehung einer revolutionären, Kapitalismus und Staat überwindenden Bewegung hält er - und begründete auch, warum - ganz und gar nicht für ausgeschlossen. Parteien - seien es sozialdemokratische, kommunistische oder grüne - sind dazu ungeeignet, da sie ihrer Natur gemäß zu systemstabilisierenden Institutionen werden. Eine gegen die herrschenden Mächte gerichtete emanzipatorische Bewegung muß die freiheitlichen Strukturen einer künftigen Gesellschaft vorwegnehmen, unter Ausschluß des Bestrebens, selbst Macht auszuüben.
Besprechungen einiger von Agnolis Büchern folgen in den nächsten
KATZ-Ausgaben. Seine im Freiburger ca ira - Verlag
erscheinenden gesammelten Werke seien allen Zeitgeist-Exorzisten wärmstens
empfohlen. Bleibt zu hoffen, daß Agnoli im nächsten Jahr für
eine weitere, dann hoffentlich besser besuchte Veranstaltung zur Verfügung
steht.
Klaus Blees
Zur Besprechung des Agnoli-Buches Subversive
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