Vorbemerkung (August 2001): Dieser Bericht über eine Veranstaltung mit Johannes Agnoli erschien in dem Trierer Stadtmagazin die neue katz Nr.12, Dezember 1997. Von den unten angekündigten Besprechungen verschiedener Bücher Agnolis ist nur noch eine erschienen, da die zwischenzeitlich in maju! umbenannte Zeitschrift nach wenigen Monaten ihr Erscheinen einstellte. Die Namenswechsel des linken Trierer Monatsmagazins, das zuerst als katz erschien, in der neuen katz seine Nachfolgerin fand, welche nach Querelen zwischen alten und (teilweise) neuen Machern umgetauft werden mußte, bevor sie dann ganz eingestellt wurde, dürften zugegebenermaßen  manch Außenstehende verwirren, zumal inzwischen die katz wieder erscheint, wenn auch als Jahrbuch.
(Juni 2003): Am 4. Mai 2003 starb Johannes Agnoli im Alter von 78 Jahren. In der Tageszeitung "junge Welt" vom 7.5.03 ist ein Nachruf von Christoph Jünke erschienen.
 
 

Johannes Agnoli an der Uni Trier

Für den 20.11. hatte das Anti-Rassismus-Referat des Uni-AStA Johannes Agnoli, einen der profiliertesten linksradikalen
Gesellschafts- und Staatskritiker, zu einem Gastvortrag eingeladen. Der heute wieder in seiner Heimat Italien lebende
emeritierte Politologie-Professor der FU Berlin sprach in der für ihn typischen, lebendigen und verständlichen Art über den "Staat des Kapitals". Leider fehlt hier der Platz, auf dieses Highlight politischer Veranstaltungen in Trier näher einzugehen.

Sehr sachlich und illusionslos analysierte er die Funktion des Staates als vor allem in seiner parlamentarisch verfaßten Form ideales Mittel, die Rahmenbedingungen der Kapitalverwertung zu sichern, notwendigerweise auch gegen unmittelbare Interessen der einzelnen Kapitalisten. Für diese Regulierung müssen im Zeitalter der "Globalisierung" im Gesamtinteresse des Kapitals neue Formen gefunden werden.

Die Möglichkeit der Neuentstehung einer revolutionären, Kapitalismus und Staat überwindenden Bewegung hält er - und begründete auch, warum - ganz und gar nicht für ausgeschlossen. Parteien - seien es sozialdemokratische, kommunistische oder grüne - sind dazu ungeeignet, da sie ihrer Natur gemäß zu systemstabilisierenden Institutionen werden. Eine gegen die herrschenden Mächte gerichtete emanzipatorische Bewegung muß die freiheitlichen Strukturen einer künftigen Gesellschaft vorwegnehmen, unter Ausschluß des Bestrebens, selbst Macht auszuüben.

Besprechungen einiger von Agnolis Büchern folgen in den nächsten KATZ-Ausgaben. Seine im Freiburger ca ira - Verlag
erscheinenden gesammelten Werke seien allen Zeitgeist-Exorzisten wärmstens empfohlen. Bleibt zu hoffen, daß Agnoli im nächsten Jahr für eine weitere, dann hoffentlich besser besuchte Veranstaltung zur Verfügung steht.

Klaus Blees

Zur Besprechung des Agnoli-Buches Subversive Theorie
 
 
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