Zerstörung eines Mythos
Eine kritische Diskussion über AIDS findet kaum statt, auch nicht bei den Resten der Linken, wo die Vorgaben von Staat, Schulmedizn und Pharmaindustrie weitgehend geschluckt werden, dem Mythos einer wert- und herrschaftsneutralen Wissenschaft gefrönt wird, obwohl man es eigentlich besser wissen müßte. Das Äußerste, zu dem sich Linke dann noch durchringen können, sind scheinkritische Verschwörungstheorien wie die vom "AIDS-Virus aus den Labors der biologischen Kriegswaffenforschung". Zu den wenigen Ausnahmen gehört hierbei das Berliner "Projekt Kritische AIDS-Diskussion", das im Sommer 1995 seine dritte Broschüre herausgebracht hat.
In ihrem bislang umfangreichsten Werk gehen die Berliner den Hintergründen
der Behauptung nach, die schwarze Bevölkerung Afrikas sei von einer
AIDS-Epidemie ungeheuren Ausmaßes bedroht. Dabei gelingt es ihnen
in einer schlüssigen Beweisführung und mit zahlreichen Belegen,
diese Behauptung als von den Interessen der Industriestaaten geleitete
Konstruktion bloßzustellen. Ein
langes Kapitel ist der sogenannten Bangui-Definition von AIDS gewidmet,
mit der die Industrienationen
sich ein Instrumentarium geschaffen haben, das es erlaubt, die Symptome
von typischen Hunger- und Elendskrankheiten, aber auch von Pestizidvergiftungen
und Medikamentenschäden in "AIDS" umzubenennen, nur nach diagnostischem
Augenschein, ohne daß dazu ein "AIDS-Test" erforderlich wäre.
Diese von der Weltgesundheitsorganisation erlassene Sonderdefinition für
Afrika hilft somit, die Konsequenzen von Ausbeutung, Unterdrückung
und Verelendung ideologisch zu entsorgen, die Ursachen liegen dann nicht
mehr in der kapitalistischen Weltwirtschaftsordnung, sondern in einem Killervirus.
Daß es aber um mehr geht als bloß um ideologische Verschleierung,
zeigt das Buch an zahlreichen Beispielen. Märkte für neue - oft
gentechnisch erzeugte - Impfstoffe und Medikamente werden geschaffen, für
Stoffe, die zwar nicht helfen können, von denen im Gegenteil schwere
Gesundheitsschäden zu erwarten sind, die jedoch große Profite
versprechen.
In mehreren Kapiteln untersuchen die Autoren konkret die AIDS-Strategien westlicher Staaten, internationaler Institutionen und Pharmakonzerne sowie an deren Tropf hängender "Nichtregierungsorganisationen" in verschiedenen Regionen des schwarzen Afrika, beleuchten dabei die historischen Hintergründe der real existierenden Elendsverhältnisse. Jedoch kommen auch die Grundlagen nicht zu kurz, von denen die gesamte AIDS-Ideologie ihren Ausgang nimmt, die - zurückhaltend ausgedrückt - wissenschaftlichen Vorurteile und Fehlinterpretationen, die das Bild von AIDS nicht nur in Afrika bestimmen. Zwei Beiträge zu diesen Voraussetzungen eröffnen die Broschüre. Der eine zeigt, wie die Forschergruppen um Gallo und Montagnier aus den Ergebnissen schlampiger und unseriöser Laborarbeit die Entdeckung eines "AIDS-Virus" herausgedeutet haben, das dann zur gemeinsamen Ursache einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Erkrankungen erklärt wurde. Während diese Krankheiten üblicherweise in Verbindung mit einem positiven "HIV-Antikörpertest" - volkstümlich "AIDS-Test" genannt - zur AIDS-Diagnose führen, belegt der folgende Artikel, daß sämtliche Varianten dieser Tests zwar alles mögliche messen, bloß eben kein HIV und auch keine Antikörper dagegen nachweisen können.
Die Analyse des Afrika-AIDS-Mythos wird abgerundet durch eine ausführliche Zusammenschau von AIDS- und Bevölkerungs-Politik. Geleitet von der Frage nach den Zusammenhängen zwischen der AIDS-Ideologie und einem anderen großen Mythos zur Entsorgung der Folgen kapitalistischer Ausbeutung, dem von der "Bevölkerungsexplosion", offenbart der Blick hierauf weitgehende Verflechtungen und Interessensübereinstimmungen zwischen den in beiden Feldern tätigen Institutionen und Organisationen. Die jeweiligen Akteure sind so gut wie immer in beiden Bereichen tätig, nutzen die durch AIDS- und Bevölkerungs-Politik geschaffenen Infrastrukturen zur Verbreitung von Propaganda und Maßnahmen in beide Richtungen. Zu verwundern braucht das nicht, finden doch diese Strategien zusammen in dem Ziel der Kontrolle und letztlich Beseitigung oder Verhinderung "überflüssiger" Menschen.
Klaus Blees
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