Vorbemerkung (April 2001): Dieser Artikel über eine Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der AIDS-Beratung des Gesundheitsamtes Trier erschien in dem Trierer Stadtmagazin die neue katz/maju! Nr. 1, Januar 1998. (Eigentlich erschien die Zeitschrift ohne Titel und wurde ab der Folgeausgabe in maju! umbenannt, aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht erzählt zu werden braucht.)
 
 
AIDS-Jubiläum
Hämmer über Hemmer
Die Propagandisten der Behauptung, AIDS sei eine durch Infektion mit dem HI-Virus hervorgerufene, unheilbare Krankheit, können sich kaum deutlicher selbst entlarven, als es einige von ihnen am 26.l l.97 auf der Jubiläumsveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der AIDS-Beratung des Trierer Gesundheitsamtes taten.

Dessen Leiter legte gleich zur Eröffnung die Karten auf den Tisch: Er bedankte sich bei dem Pharmakonzern Abbott als Sponsor der Veranstaltung. Da lohnt sich ein historischer Rückblick: Am 23.4.1984 hatte der als Krebs-Virus-Forscher gescheiterte Prof. Dr. Robert Gallo auf einer Pressekonferenz des US-Gesundheitsministeriums erklärt, er habe die  mutmaßliche Ursache von AIDS entdeckt, ein später als HIV bezeichnetes Virus. Ohne seine Vermutung zuvor in Fachzeitschriften zu veröffentlichen und damit eine Überprüfung durch Kollegen zu ermöglichen, stellte er, mit politischer Rückendeckung, die Welt-Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen. Einer der Lizenznehmer des von ihm daraufhin zum Patent angemeldeten HIV-Antikörpertests ist die Firma Abbott! Nicht nur mit Tests, sondern auch mit Medikamenten ist Abbott seither im AIDS-Geschäft dick dabei.

Ich erspare es mir hier, auf die zahlreichen Grußadressen und den Rückblick von Frau Dr. Detering-Hübner, der Leiterin der AIDS-Beratung, einzugehen. Stattdessen komme ich zum Hauptvortrag, den Dr. Jablonowski, Leiter der AIDS-Ambulanz der Uniklinik Düsseldorf, über "Antiretrovirale Therapie" hielt.

Er pries die angeblichen Vorteile von Kombinationen verschiedener Pharmaprodukte an. War es marktschreierische Dreistigkeit oder peinliche Unkenntnis, mit der er sich über sein Spezialgebiet betreffende molekularbiologische Binsenweisheiten hinwegsetzte? So glaubte er, eine Reduzierung der "Viruslast", also eine Abnahme der HIV-Vermehrung, als Folge der Einnahme bestimmter Medikamentenkombinationen belegen zu können. Daß die "Viruslast" sich gar nicht direkt bestimmen
läßt, sondern nur durch "indirekte" Verfahren, gab er erst auf Nachfrage zu. Die dabei gebräuchlichste Methode, die "Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR)", kann gar keine Viren nachweisen, sondern nur Teile von Erbsubstanz, die einem bestimmten Virus zuzuordnen eine willkürliche Festlegung ist. Mengenbestimmungen sind mit PCR sowieso nicht möglich, wie deren Erfinder - Kary Mullis, der dafür 1993 den Chemie-Nobelpreis erhielt - betont. Dr. Jablonowski weiß es offenbar besser.

Aber weil die unmittelbar zelltötenden - bei den sogenannten "Reverse Transkriptase-Hemmern" - oder die Zellentwicklung massiv beeinträchtigenden - bei den "Protease-Hemmern" - Eigenschaften bekannt sind, braucht die Vergiftung von Schwulen und Junkies mittels dieser Stoffe eine Rechtfertigung. Schließlich - so Jablonowski - werde HIV im Körper täglich
zehnbillionenfach vermehrt. Daß solche Vermehrungsszenarien nicht auf empirischen Befunden, sondern auf Modellrechnungen beruhen, verschwieg er seinen Zuhörern. In den englischsprachigen Original-Veröffentlichungen ist übrigens von zehnmilliardenfacher Vermehrung die Rede. Indem Jablonowski das amerikanische "Billion" -  statt richtig mit "Milliarde" - mit dem deutschen "Billion" übersetzte, beging er einen häufig gemachten Fehler, der selbst professionellen Übersetzern
manchmal unterläuft. In diesem konkreten Fall bedeutet es aber eine l000fache Übertreibung an sich schon unhaltbarer Behauptungen.

Diese Beispiele mögen genügen, um den unseriösen Charakter von Jablonowskis Vortrag zu illustrieren. In der Diskussion um AIDS scheinen auch die haarsträubendsten Spekulationen akzeptabel zu sein. Nicht nur mich erinnert sowas mehr an ein religiöses Glaubenssystem als an Wissenschaft.

Klaus Blees
 
 
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