Vorbemerkung (Januar 2001): Folgende Kritik einer Ausstellung im Stadttheater Trier erschien in dem Trierer Stadtmagazin die neue katz Nr.5, Mai 1997.
AIDS-Kitsch im Theater Trier
Wenn's der "Political Correctness" und dem "Zeitgeist" dient, scheint auch der größte Kitsch akzeptabel zu sein. Bilder, die in jeder anderen Kunstausstellung als Zumutung empfunden würden, können sich des Publikumslobs sicher sein. Die Fotoausstellung "Ein Band für die Liebe", die derzeit das Trierer Stadttheater in Zusammenarbeit mit dem Regionalen AIDS-Beirat Trier zeigt, ist hierfür ein mehr als deutliches Beispiel. Im Zentrum steht das "Red Ribbon", die rote Schleife, die seit einigen Jahren als Symbol der Solidarität mit "AIDS-Kranken und HIV-Infizierten" vermarktet wird. Zahlreiche Fotografen haben zu dieser Sammlung beigetragen, was zu sehen ist - insgesamt 56 Werke - strotzt vor platter Symbolik.In alle Beiträge ist - mehr oder weniger sichtbar - die rote Schleife eingearbeitet, jedes Motiv, das in den Köpfen hinter den Kameras irgendeine Assoziation mit AIDS zuläßt, scheint als Aufhänger gerade recht zu kommen. Ob Schwangere oder Säugling mit Schleife im zarten Händchen - was wohl die Bedrohung selbst Neugeborener oder Ungeborener symbolisieren soll - ob Liebespaar, ob Mann oder Frau, Junge oder Mädchen - häufig nackt fotografiert - wobei Schwule natürlich nicht fehlen dürfen: Die Inszenierung einer vor allem mit Sex und ganz besonders schwulem Sex in Verbindung gebrachten Menschheitsgeißel scheut vor keinem Klischee zurück. Selbst eine Buddha-Statue - Asien! - wird mit roter Schleife versehen, und ein Glatzkopf - ein Foto, das es wohl der TV(= Trierischer Volksfreund)-Rezensentin (TV 17.4.97) besonders angetan hat - bekommt eine Dornenkrone aus "Red Ribbons" verpaßt. Der Fotograf Christian von Alvensleben wurde gar für seine Darstellung einer Kinderfaust mit Schleife vom "Art Directors Club" mit einer Medaille ausgezeichnet.
Von den weit über hundert Besuchern der Vernissage am 15.4.97 hatten denn auch nahezu alle dieses modische Accessoire an ihre Kleidung geheftet. Theater-Intendant Lukas-Kindermann betonte in seiner Eröffnungsrede, mit dieser Ausstellung solle ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung Betroffener gesetzt werden. Weder ihm noch dem Gros der Gäste kam in den Sinn, daß deren Durchführung schon Stigmatisierung zur VORAUSSETZUNG haben und diese weiter fördern könnte, indem sie die Etikettierung von Menschen als "HIV-infiziert" und "AIDS-krank" akzeptiert und weitertransportiert. Denn spätestens seit 1993, als australische Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Untersuchung über die Zuverlässigkeit sogenannter "AIDS-Tests" veröffentlichten, könnte für alle, die sich informieren möchten, klar sein, daß diese allesamt zur Feststellung einer "HIV-Infektion" untauglich sind. Und "AIDS" ist ein Sammelbegriff für - nach heutiger Definition - 29 teilweise sehr verschiedene Krankheiten, sobald diese unter bestimmten, am Schreibtisch festgelegten Voraussetzungen auftreten, zum Beispiel in Verbindung mit einem solch unhaltbaren positiven Testergebnis. Ein Zusammenhang dieser Krankheiten mit HIV konnte wissenschaftlich nie hergestellt werden, sondern nur als ideologische Konstruktion, mittels empirisch nicht abgesicherter Modellvorstellungen, die der Öffentlichkeit als wissenschaftliche Erkenntnis präsentiert werden.
Die Durchsetzung neuer Biotechnologien, insbesondere der Gentechnik, braucht ihre Objekte und ihre öffentliche Rechtfertigung. Ideologisch abgesichert durch die Bioethik, sollen immer mehr Menschen, die sich nicht wehren, als Versuchskaninchen freigegeben werden. Da paßt es gut, wenn neue Gruppen unheilbar Kranker herbeidefiniert werden, die sich unter dem Druck einer verinnerlichten Todespropaganda für Experimente mit neuen Medikamenten und Techniken zur Verfügung stellen, deren tödlicher Ausgang sich beispielsweise auf AIDS schieben läßt. Gibt es eine wirksamere Werbung, als solche Maßnahmen als Hilfe zu verkaufen und deren Unterstützung mit dem Zauberwort "Solidarität" einzufordern? Künstler, die was auf sich halten, spielen da gerne mit und finden, wie die Trierer Ausstellung zeigt, ein Publikum, das gewiß ehrlich glaubt, für eine gute Sache einzutreten.
Schade, daß sich auch der neugegründete Trierer Schwulenchor "Tucktett und die zwei Sybillen" dafür hergab, der auf der Vernissage mit seinen frivolen Liedern die einzig wirklich künstlerische Leistung bot. Denn nicht zuletzt unter Schwulen findet die AIDS-Forschung ihre willigsten Opfer.
Klaus Blees
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